9.03.2010
Das Maß ist die eigene Grenze: Yoga als Bereicherung in der Schwangerschaft
“Ich bin schwanger!” Diese Worte zum ersten Mal in ihrem Leben mit Bestimmtheit sagen zu können, berührt eine Frau mit nie zuvor gefühlter Tiefenwirkung. Mit sanfter Geste ist ihr bewusst geworden, dass sie etwas erleben wird, was sie reifen lässt. Schöpfung entsteht – in ihr selbst! Ihr wird Verantwortung gegeben – für etwas Zartes, für das neu entstehende Leben. Es ist nur natürlich, dass manch eine Frau erst einmal abwartet, bevor sie sich mitteilt.
Die ersten drei Monate haben eine nahezu entscheidende Bedeutung für die gesamte Schwangerschaft: Der mütterliche Organismus verändert sich gravierend; man könnte es auch “Ausnahmesituation im weiblichen Körper” nennen. Erhöhter Sauerstoffbedarf, gesteigerte Herzfrequenz und schwächerer Blutdruck sind es einerseits, die erhöhte Kapazität der Venen, die Auflockerung der Sehnen, Gelenke und Bänder andererseits: Plötzlich sind die üblichen Yoga-und Atem-Übungen nicht mehr möglich, eher schädlich – und würden eine unnötige Stressbelastung für Mutter und Kind darstellen. Und Stress in der Schwangerschaft, so fanden Forscher der Berliner Universitätsklinik Charité, hängt mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten zusammen. Progesteron (ein Hormon) bewirkt, dass das weibliche Immunsystem den Embryo nicht angreift. Bei höherem Stress bildet sich möglicherweise weniger Progesteron, so die Forschungsergebnisse.
Das reguläre Kursprogramm wird für Schwangere hier zum Nachteil. Dass Frauen trotz Wissen um ihre Schwangerschaft weiterhin teilnehmen wie gehabt, kann daran liegen, dass sie nicht um das Risiko wissen. Oder dass sie sich noch, anfangs, nicht “als schwanger” akzeptieren. Auch könnte in manchen ein falscher Ehrgeiz wirken. Und dazu kommt, dass manch Yoga-Lehrer nichts über Übungen für Schwangere weiß – oder die werdende Mutter vertraut ihm nicht genug, um die richtige Frage zu stellen.
Doch die Yogalehre hat ein besonderes Merkmal: Sie passt sich dem Rhythmus einer jeden Zeit an, in der der Mensch lebt. Auch seinem stetig wachsenden Wissen, auch den Erkenntnissen über Schwangerschaft: Und so werden heutzutage qualifizierte Kurse des prä- bzw. postnatalen Yoga angeboten. Diese haben die Richtlinie: Die werdende Mutter fordern, ohne ihr und dem Kind zu schaden.
In den ersten drei Monaten ihrer Schwangerschaft (das erste Trimenon) wird die Teilnehmerin erst einmal “herunterschalten”, aber dies eben auf einer ausgearbeiteteren Ebene als bei Anfängern. Bei gutem Verlauf kann sich dies im zweiten Trimenon steigern. Doch eines ist wichtig: Das Maß ist immer die eigene Grenze – besonders im dritten Trimenon. Besondere Atem- und Körperübungen sollen hier vorbereitend wirken: Die Geburt, eine selbstständige Naturgewalt jenseits des menschlichen Willens, will staunend und loslösend willkommen geheißen werden.
Der werdenden Mutter wird es geschenkt, die Zukunft zu gestalten in fruchtbarer Weise. Geschieht die Geburt in Akzeptanz und Liebe – erfährt das Kind eine bessere Welt. Und das gleich zu Anfang.
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Autor: Silvio · Kommentieren · Trackback



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