9.05.2010
Von Kopf bis Fuß Jivamukti Yoga in Chemnitz!
Ein Rückblick zum Workshop geschrieben von Maike M. aus Dresden
Als wir um kurz vor 9 Uhr am Samstagmorgen den Chemnitzer Yogaraum von yogabasics betreten, ist der Boden schon bis auf den letzten Quadratmeter mit über 30 dicht an dicht liegenden farbenfrohen Übungsmatten bedeckt. Immer auf der Suche nach neuer Yoga-Inspiration hatten meine Kollegen von Erlebnis-Yoga und ich uns frühmorgens aus Dresden auf den Weg gemacht, um an einem besonderen Highlight, dem Jivamukti Yoga Workshop mit Nadine Weertz aus München teilzunehmen. Neugierig auf einen in Sachsen noch gänzlich unbekannten Yogastil nehmen wir auf unseren Matten Platz und lassen uns von der Yogalehrerin mit der lebensfrohen Ausstrahlung über diese relativ junge Form des Yoga
aufklären.
Nadine hat ihre Ausbildung bei den Begründern des Jivamukti Yoga, Sharon Gannon und David Life in New York gemacht, die 1984 diese Methode als Weg der Vereinigung der individuellen Seele mit der kosmischen Seele, in der Yogaphilosophie oft mit „Erleuchtung“ bezeichnet, entwickelten. Seither hat diese Yogarichtung nicht nur in den USA einen ungeheuren Boom erlebt, nicht nur deshalb, weil sie viele bekannte Persönlichkeiten wie Sting oder Madonna praktizieren. Unsere Lehrerin erzählt weiter, dass Jivamukti Yoga natürlich nicht das Rad neu erfinde, denn die Essenz aller Yogaformen sei gleich – alle Yogarichtungen haben ihren Ursprung in Indien und sind ein Weg zur sogenannten Erleuchtung. Das Besondere am Jivamukti Yoga sei aber, dass im Unterricht nicht nur die Körperübungen des Hatha Yoga, also Asanas geübt werden, sondern auch Aspekte der Yogaphilosophie, Chanting von Mantren, Musik, Hingabe an das Göttliche und Meditation ihren festen Platz in der Stunde haben. Eine weitere Besonderheit ist das durchgängige Assistieren des Lehrers, der während der Stunde durch die Reihen geht und den Schülern mit körperbetonten Hilfestellungen zur korrekten Ausführung der Asanas verhilft.
Auf der offiziellen Homepage von Jivamukti Yoga gibt es jeden Monat einen wechselnden Fokus, ein bestimmtes Thema, das die Lehrer für den philosophischen Teil ihrer Stunde nutzen können. Diesen Monat heißt das Thema „Angst überwinden“. Nadine blickt mit einem verschmitzten Lächeln in die mehr als 30 Augenpaare ihr gegenüber: „Ja, dazu gehört auch, hier vor euch zu sprechen, das war auch bei mir nicht immer so!“
Nach der ausführlichen Theorie geht es ab in die Praxis – wir beginnen in der Rückenlage mit einer Atemübung. „Bleibt immer bei eurem Atem, während der Stunde werdet ihr ihn bestimmt vergessen, und dann werde ich euch wieder daran erinnern!“, kündigt Nadine an. Es folgt eine kurze Erwärmung am Boden und schon fließen wir im Rhythmus unseres Atems durch drei Varianten des Sonnengrußes und die verschiedensten stehenden Asanas. So grüßen alte Bekannte wie Hund, Kobra, Liegestütz, Krieger, Dreieck, Vorbeugen, Drehungen und Ausfallschritte, allesamt in schnellem Tempo angeleitet und durch kreativ gestaltete Übergänge, Vinyasas, miteinander verbunden.
Im Jivamukti Yoga gibt es verschiedene Grundserien, die die Lehrer in ihrem Unterricht frei verwenden und abwandeln können, so dass jede Yogastunde anders aussieht. Allerdings müssen 14 bestimmte Grundhaltungen in jeder Unterrichtsstunde vorkommen. Anders als sonst ist auch das Üben zur Musik, die fein auf die Asana-Abfolgen abgestimmt wird. Es erklingen Songs und instrumentale Stücke der verschiedensten Musikrichtungen, die alle einen positiven Spirit transportieren und uns damit helfen, die Kräfte zehrenden Übungen zu bewältigen: Wir lassen uns förmlich von der Musik durch die Asanas tragen.
Mittlerweile befinden wir uns über Kopf in einer Vorbeuge, ein Bein so hoch wie möglich angehoben und zur Seite ausgestreckt. Meine Oberschenkelmuskeln zittern und ich bemühe mich, meinen Fuß nicht auf dem Kreuz meines Mattennachbarn abzulegen. Die Luft im Raum steht, die Sonne lacht freundlich durch die geschlossenen Fenster und das Studio kocht. Der Schweiß bildet Rinnsale unter meinem T-Shirt und fließt mit der Schwerkraft in Richtung Matte. „Wenn mir schon warm ist, wie geht’s dann erst euch?!“, bringt Nadine lachend die Situation auf den Punkt. Im Jivamukti Yoga ist es üblich, während der Praxis die Fenster geschlossen zu halten. Damit man keine Zugluft abbekommt und die Energie, die wir aktivieren bei uns im Raum bleibt. Dabei ist es sogar erwünscht zu schwitzen, denn Schwitzen ist reinigend, es schwemmt die im Körper sitzenden Toxine heraus. Eine gute Gelegenheit, nicht nur alle Anspannungen der vergangenen Woche, sondern auch unser Ego gleich mit loszulassen, denn so richtig schick sieht von uns niemand mehr aus, es tropft und reinigt sich aus allen möglichen Körperteilen.
Obwohl wir auf unseren Körper hören und bei zu großer Anstrengung eine Pause in der Kleinkindstellung machen sollen, dürfen wir unseren Körper aber auch fordern. Bei der nächsten Trikonasana-Haltung nimmt mein Körper das wörtlich und gleitet auf dem Schweißfilm unter meinen Füßen gleich noch etwas tiefer in die Dehnung. Ein bisschen fühle ich mich wie auf einem Surfbrett bei hohem Wellengang. Plötzlich reißt mich eine Stimme wieder ins Hier und Jetzt zurück: „Don’t forget to breathe“ singt die Stimme aus dem Lautsprecher. Ach tatsächlich, der Atem. Den hatte ich ja total vergessen! Ich höre also nicht auf zu atmen und gleite über den gestreckten Seitwinkel, den stehenden Spagat und die „Flugzeug-Position“ bis hin zum Adler, bei dem ich Arme und Beine ineinander verschlinge, dabei auf nur einem Bein mein Gleichgewicht halte und mit dem Gesäß tiefer und tiefer sinke.
Nach und nach gelingt es mir, den inneren Fokus zu halten und es auch in den herausfordernden Haltungen zu schaffen, voll und ganz bei mir zu sein. Trotz aller Anstrengung finde ich in mir selbst eine tiefe Gelassenheit und Ruhe. Die Gedanken, die uns normalerweise ständig in die Vergangenheit und in die Zukunft zerren sind ausgeschaltet und ich bewege mich fließend, ganz bei Körper und Atem durch die Yogastunde. Ich docke förmlich an meinen Atem an wie eine Rakete an die Station im All. Fest mit meiner innersten Basis verwurzelt yoge ich durch Raum und Zeit. Das Fließen meines Schweißes stört mich nicht mehr.
Wir kommen in die Hocke, setzen die Hände vor uns auf. Nun sollen wir für die Krähe die Knie möglichst weit oben an die Oberarme bringen und die Füße abheben, so dass wir nur noch auf den Händen balancieren. Nadine erinnert uns: „Hier kommen wir wieder zu unserem Stundenthema: Mit der Krähe können wir lernen, die Angst zu überwinden, vornüber zu fallen und uns den Kopf zu brechen!“ Alles lacht und wir nehmen die Herausforderung an, unsere selbst gesteckten Grenzen zu überschreiten und der eigenen Kraft und Stärke zu vertrauen.
Eine der letzten Übungen ist die Happy Baby Haltung, dann sinken wir in die wohlverdiente Schlussentspannung, Savasana: Wir üben zu sterben. Danach rollen wir uns auf die Seite und ziehen die Beine an den Körper heran in die Embryohaltung. Damit symbolisieren wir den Zyklus von Anfang und Ende im Leben bzw. den im Hinduismus verwurzelten Glauben an die Wiedergeburt: Nach Savasana, dem „Sterben“ fangen wir wieder von vorn an! Die nächste Yogastunde kommt bestimmt…
© Gastbeitrag von Maike Magnussen von Erlebnis-Yoga Dresden
Kommende Jivamukti Mini-Workshops in Chemnitz
- Sa., 24. Juli 10 Jivamukti-Yoga Workshop mit Anja (Jivamukti Berlin)
- Sa. und So., 20. u. 21. Nov. Jivamukti-Workshop mit Moritz (Jivamukti Berlin)
Impressionen vom Workshop
(Bitte auf das jeweilige Bild klicken)
Mehr Informationen zu Jivamukti Yoga gibt es hier:
Buchtipp 1: “Jivamukti Yoga: Practices for Liberating Body and Soul” von Sharon Gannon und David Life (in englischer Sprache)
Buchtipp 2: „Yoga fürs Leben – Mit Jivamukti Yoga Mut und Stärke gewinnen, Ängste besiegen und sich dem Leben öffnen“ von Patrick Broome und Gabriela Bozic
Website

Yoga in der Toskana mit Nadine & Silvio
inkl. Unterkunft, ital. veg. Vollpension ab 650,00 Euro/Person.
Infos unter www.yogatraumreise.de
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Autor: Maike Magnussen · 1 Kommentar · Trackback




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