20.06.2010
Bryan Kest zu Gast in Dresden
6 Billionen verschiedene Formen von Trikonasana – Der Begründer des Power Yoga Bryan Kest zu Gast in Dresden

Am 10. Juni wurde die Yogaszene Dresdens mit einem ganz besonderen Gast beehrt: Die Yogaschule Erlebnis-Yoga hatte den Begründer und „Rockstar“ des Power Yoga Bryan Kest zu einem dreistündigen Workshop in die Elbstadt geladen. Der 45-jährige US-Amerikaner lebt in Los Angeles, Kalifornien und unterrichtet dort, wenn er nicht gerade für Workshops um die Welt jettet, im eigenen Studio. Wie viele bekannte Yogalehrer, so entwickelte auch Bryan Kest seine eigene Sichtweise auf Yoga, die er nun unter dem Namen Power Yoga an die Menschen rund um den Globus weitergibt.
Wer Yoga bislang nur als sanfte Entspannungsmethode kannte, erlebt während des Workshops Asanas einmal anders: nach einem kurzen Warm-up fließen die über 40 TeilnehmerInnen Matte an Matte durch verschiedene Variationen des Sonnengrußes, einer dynamischen Übungsabfolge des Yoga. Das Fließen ist hier wörtlich gemeint, denn bei sonnigen 32 Grad draußen heizen nicht nur unsere Körper den Übungsraum gewaltig auf.
Unser Lehrer begann als gerade mal 14-jähriger in seiner Heimat Hawaii Ashtanga Yoga zu praktizieren. Zu dieser Zeit war Yoga auch in Amerika etwas ganz Neues, und Kests Lehrer David Williams und Brad Ramsey waren unter den ersten, die das Übungssystem aus Indien in den Westen brachten. 1988 reiste Kest nach Südindien, um noch tiefer in die Welt des Yoga einzutauchen. Ein Jahr lang studierte er in Mysore mit dem Begründer des Ashtanga Yoga, Sri K. Pattabhi Jois.
Von Anfang an erlebte Bryan Kest Yoga nicht nur als körperliches Workout, sondern vielmehr als umfassenden Lebensstil, in dem die Beziehung zu uns selbst, zu unserem Herzen, zu anderen Menschen und auch zu unserem Planeten eine wichtige Rolle spielt. Es geht darum, sich als Teil des Ganzen zu fühlen und trotzdem die Unterschiede, die uns ausmachen, zu respektieren. Die körperliche Asana-Praxis ist laut Kest nur der „Klebstoff, der all das zusammenhält“.
Auch wir bemühen uns, alles so gut wie möglich zusammenzuhalten. Schon stehen wir in der Vorbeuge auf einem Bein und recken das andere so hoch in den Himmel, wie wir können. „Diese Haltung nennt sich In-der-Vorbeuge-stehen-und-ein-Bein-anheben“, grinst unser Lehrer, „ihr seht, Yoga ist ganz einfach, das kann selbst eure Oma!“ Kest hatte im Einführungstalk betont, dass es ihm sehr wichtig sei, allen Menschen Yoga nahezubringen, nicht nur den jungen und beweglichen. Deswegen lege er viel Wert auf einfache Asanas, die jeder ausführen kann, und zwar im Rahmen seiner individuellen Grenzen. „Die Haltung Trikonasana kann auf 6 Billionen verschiedene Weisen ausgeführt werden – denn es gibt 6 Billionen verschiedene Körper auf dieser Welt!“, strahlt Bryan Kest.
Dass das trotzdem unglaublich anstrengend sein kann, hat er nicht gesagt. In der Oma-Vorbeuge stehend heben wir auch noch die Arme und den Oberkörper ab und schweben, auf der winzigen Fläche unserer Fußsohle stehend, über dem Boden. „Airplane-Position“ – Flugzeug-Haltung nennt Bryan Kest das. Wir halten. Aus dieser Position wird die Hüfte aufgedreht, wir strecken das Bein nach schräg hinten oben, stützen uns mit den Fingerspitzen einer Hand am Boden ab und strecken den ganzen Körper auseinander. Wir atmen tief. Ohne abzusetzen wechseln wir wieder in die Flugzeug-Position. Die Oberschenkelmuskeln zittern. Ich verfolge, wie die Schweißtropfen den Weg von meiner Stirn auf die Matte finden und einen kleinen See bilden.
Inmitten dieses Orkans höre ich die Stimme des Lehrers: „Ich erinnere euch daran, dass ihr immer eine Pause in der Kindeshaltung einlegen könnt.“ Ach ja, die persönlichen Grenzen. Hatte ich ganz vergessen und alles mitgemacht, was der Yogalehrer vorgab. „Meine Aufgabe als Yogalehrer ist es nicht, euch immer tiefer in eine Position hineinzubringen“, kommt es eindringlich von Kest. „Alles was ich hier ansage sind nur Vorschläge, denn der eigentliche Lehrer ist in euch. Kein Lehrer der Welt, kein anderer als du selbst kann deinen Körper erspüren und entscheiden, wie tief du in eine Haltung hineingehst.“ Es geht also darum, Achtsamkeit für die Dinge zu entwickeln, nur dann haben wir die Wahl eine bewusste Entscheidung zu treffen. Genau das lernen wir laut Bryan Kest im Yoga.
Ein Rückblick geschrieben vom Maike Magnussen.
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