6.07.2010
6. Yoga-Festival in Berlin: Deutschlands kleine „Kumbha Mela“
Vom 2. – 4. Juli 2010 wurde Berlin erneut zur Pilgerstätte für Yogis und Yoginis aus ganz Europa: Im traumhaft schönen Kulturpark Kladow, direkt am Wannsee gelegen, fand bereits zum 6. Mal das Yoga Festival Berlin statt. Unter dem Motto „Light Your Fire“ gab es größtenteils unter freiem Himmel ein buntes Programm aus Yogakursen, Vorträgen, Meditationen, Workshops und Konzerten. Über 5.000 Yoga-Begeisterte fanden dieses Jahr den Weg nach Berlin und entflammten ihr inneres Feuer – auch im Außen begleitet von strahlendem Sonnenschein und Spitzentemperaturen bis zu 37 Grad.

(l) Yogaübende im Freien (r) Swami Yogananda; 101 Jahr alt © Foto: Angie via Facebook
Aber nicht nur die Hitze ließ den Eindruck entstehen, man hätte die heimischen Gefilde weit hinter sich gelassen und stünde bereits auf indischem Boden: Bereits beim Betreten des Festival-Geländes steigen mir die Gerüche von exotisch gewürzten Speisen, Räucherstäbchen, staubtrockener Erde und den verbrannten Darbringungen eines indischen Feuerrituals in die Nase. Ich bewege mich weiter über den Marktplatz, auf dem die verschiedensten Aussteller ihre Waren anbieten: Die farbenfrohe Palette reicht von Yogamatten und -props, Tüchern und Saris, Schmuck, Musikinstrumenten, Räucherstäbchen, indischen Gewürzen, Yogaliteratur und frischem Obst bis hin zu Mango Lassi, Trink-Kokosnüssen, Yogi Tee und Ayurveda-Produkten. An einem Stand kann man seinen Körper sogar mit Mehndi-Malereien aus Henna schmücken lassen.
Neugierig biege ich hinter dem großen Meditationszelt auf die eigentliche Festivalfläche ein – vor meinen Augen eröffnet sich eine große, leicht abschüssige Wiese mit Blick auf den etwas tiefer liegenden, azurblauen Wannsee. Viele der Menschen auf dem Gelände sind fröhlich gekleidet, ich entdecke Batik-Hosen, bunt gemusterte Shirts und Röcke, indische Tücher und Malas, die Meditationsketten aus Indien. Auf der hinteren Wiese nahe des Sees wird gerade ein indisches Feuerritual durchgeführt: Mantrengesänge und der Klang indischer Gebetsglöckchen dringt an mein Ohr. Ich lasse die vielen Eindrücke auf mich wirken, spüre die Wärme der Sonne auf meiner Haut und bin einfach nur glücklich.
Hin und wieder schreiten auch indische Swamis in den typischen weißen oder orangefarbenen Gewändern durch die Menge. Manche tragen dazu einen Turban, der das Scheitelchakra schützen soll. Die Atmosphäre ist durchzogen von einem lebendigen und gleichzeitig tiefgründigen Spirit – alles erinnert an die „Kumbha Mela“, das größte Yogafest der Welt, das nur alle 12 Jahre im indischen Haridwar mit etwa 40 Millionen Besuchern stattfindet. Die Veranstalter des Berliner Yoga-Festivals, Miriam Kretzschmar und Stefan Datt, sind auf der diesjährigen Kumbha Mela dabei gewesen und haben einige der beeindruckenden Yoga-Meister nach Berlin eingeladen, um die gelebte Weisheit des Yoga weiterzugeben.
Die unumstrittene Sensation des diesjährigen Festivals ist der indische Weise Swami Yogananda, ein sage und schreibe 101-jähriger Yogi, der seit über 50 Jahren in der Abgeschiedenheit des Himalayas meditiert und Yoga praktiziert. Seitdem er mit 96 Jahren das erste Mal nach Deutschland kam, möchte er auch hier sein Wissen über Yoga weitergeben. Der quietschvergnügte, kleine Inder mit dem zierlichen Körperbau und den strahlenden Augen ist das Paradebeispiel für die Wirkungskraft des Yoga: selbst in seinem hohen Alter funktionieren Körper und Geist besser als bei manch 30jährigem. Als echter Vorzeige-Yogi zeigt er den etwa 200 Teilnehmern des Pranayama-Kurses zu Beginn der Stunde live und in Farbe, wie man die Nasenreinigung mit einer Baumwollschnur und einem Neti-Kännchen durchführt. Danach praktizieren wir eine Stunde lang „Power Breathing“. Nachdem einige von uns schon ziemlich erschöpft aussehen, lässt Swami Yogananda uns durch seinen Übersetzer wissen, dass wir jetzt erst einen Bruchteil seines normalen Tagespensums geübt haben! Als Bonbon für unsere Mühen verknotet er sich, indem er die Beine hinter dem Kopf verschränkt und die Arme durch die Beine hindurch steckt. Anschließend zeigt er eine sitzende Vorbeuge und bittet einen wirklich schwergewichtigen Kursteilnehmer, auf seinem Rücken Platz zu nehmen. Ein Raunen geht durch die Menge. Und ein wenig später richtet sich der Yogi gut gelaunt wieder auf.
Weitere besondere Highlights des beeindruckenden Programms bildeten die zweistündige Praxis von Licht-Meditationen und Visualisierungen mit Swami Mangalananda aus Zentralindien, die leidenschaftlich geführte dynamische Vinyasa-Yogastunde mit gemeinsamem Mantrasingen von David Lurey aus den USA sowie das Kirtan Konzert mit Dave Stringer & Band, das die Energie eines Rockkonzertes bei weitem übertraf. Und nicht zuletzt die entflammte Begeisterung für Yoga, die während des gesamten Festivals überall zu hören, zu sehen und zu spüren war.
Swami Yogananda (101 Jahr) im Video
© Video Yogaservice
Till und Mareike von von Yogaservice.de haben Swami Yogananda vor die Kamera gelockt und ihn interviewt. Mein Urteil; Absolut sehenswert!
Offizielle Seite vom Yogafestival
Ähnliche Artikel:
- Fünf Fragen an Eva Maria und Henning von der Yogashala Berlin
- Fünf Fragen an Detlev Alexander – OM Yoga Berlin
- Ein Platz an der Sonne mit den Yoga-Gurus Sharon und David in Berlin
- Fünf Fragen an Lalla und Vilas von Cityyoga Berlin
Autor: Maike Magnussen · Kommentieren · Trackback



Kommentieren