25.07.2010
Chakrenreinigung intensiv – 2. Jivamukti Yoga Workshop in Chemnitz
Am 24. Juli gab es bei Yogabasics in Chemnitz erneut ein Yoga-Event der Extraklasse: auf dem Programm stand diesmal eine Reise durch die Chakren mit Anja Kühnel, der Gründerin von Jivamukti Yoga Berlin.

Bild: Anja unterstützt Gesine aus Freiberg in Virabhadrasana III
Die Chakren, erläutert Anja zu Beginn der Stunde, kann man sich vorstellen als Energieräder entlang der Wirbelsäule, die in enger Verbindung mit dem menschlichen Energiesystem stehen. Von den Chakren aus wird die Lebenskraft durch die Energiekanäle, genannt Nadis, in alle Körperbereiche verteilt. Die wichtigste Rolle übernimmt hierbei die Sushumna Nadi, die als vertikale Achse vom Beckenboden bis zum Scheitelpunkt des Kopfes verläuft. Stimmt der Energiefluss in diesem Hauptnadi, spüren wir eine innere Harmonie und Ausgeglichenheit.
Störungen und Blockaden in den Chakren können aber dazu führen, dass die Lebensenergie nicht frei fließen kann und wir uns von unserem vollen menschlichen Potenzial abgeschnitten fühlen. Die Reinigung der Chakren, von denen jedes für einen bestimmten Lebensbereich zuständig ist, kann bestehende Blockaden lösen und den Fluss der Energie in Körper und Geist wieder in Einklang bringen. Denn, so hören wir, die große mehr oder weniger bewusste Sehnsucht aller Menschen ist es, in Frieden und Harmonie mit allen Lebewesen und mit uns selbst zu leben.
Begleitet von Anjas Harmonium beginne ich zusammen mit etwa 30 anderen Yogis mit dem Chanten der Bija-Mantren. Das sind sieben uralte überlieferte Silben, die mit ihrer Schwingung auf die verschiedenen Chakren wirken und diese harmonisieren. Nach dem ruhigen Einstieg folgen ein paar Runden zackig angeleiteter Sonnengrüße in Begleitung mitreißender Sounds aus Mantren, Reggae und Drum’n’Bass-Klängen. Mein Körper bewegt sich im Rhythmus von Ein- und Ausatem durch den herabschauenden Hund, Chaturanga, Kobra & Co. Schnell werde ich von innen heraus warm und fließe immer geschmeidiger durch die Asanas.
Die anschließenden stehenden Haltungen sprechen das erste Energiezentrum, Muladhara Chakra an, das im Bereich des Beckenbodens sitzt. Es repräsentiert unsere Basis, die Verbindung zur Erde und unser Urvertrauen. In der Kriegerposition schauen wir auf unsere nach vorn ausgestreckte Hand. Hier führt Anja uns zu unserem Ursprung: „Dieses Chakra repräsentiert eure Verbindung zu eurer Herkunft, zu Mutter und Vater. Visualisiert nun eure Mutter vor euch. Seht sie auf eurem Mittelfinger sitzen!“ Im nächsten gestreckten Seitwinkel stellen wir uns den Vater auf unserer Hand sitzend vor. Wir hören: „Jeder Mensch sucht sich genau die Eltern aus, die er für seine Entwicklung braucht. Vielleicht spürt ihr Dankbarkeit für eure Eltern.“ Eine warme Welle der Rührung erfasst mich, auch ein paar Tränen kullern, aber der gegenwärtige Moment reißt mich mit und schon geht es weiter in Richtung Svadhisthana Chakra.
Das zweite Energiezentrum im unteren Bauch ist verbunden mit den Beziehungen zu anderen Menschen, mit Sexualität, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität. In einer Vorbeugen-Sequenz aktivieren und reinigen wir dieses Chakra. Hier sind auch die alten Verletzungen gespeichert, die uns andere Menschen zugefügt haben. Alle Blockaden in diesem Bereich sollen wir jetzt loslassen. Wir gehen in die sitzende Vorbeuge und ich werde von Anjas Assistentin Kirileigh, Australierin aus Sydney und ebenfalls Jivamukti Yogalehrerin, adjustet. Sie erdet meine Hüften mit ihren Händen, legt sich mit ihrem Körpergewicht bäuchlings auf meinen Rücken und atmet mit mir, während sie mich sanft immer tiefer drückt. Auf einmal liege ich mit meinem Kopf auf meinen Beinen. Und kann endlich so richtig tief ausatmen.
Das Nabelzentrum, Manipura Chakra, befindet sich im Solarplexus und steht nicht nur für Selbstbewusstsein und Willenskraft, sondern auch für unsere Verbindung zu allen Lebewesen auf dieser Erde und für die Verletzungen, die wir anderen in unserer Vergangenheit zugefügt haben. Dieses Chakra wird durch die Drehhaltungen angesprochen. Und so haben wir im Drehsitz die einzigartige Gelegenheit, genau hier und jetzt diese Lebewesen um Verzeihung zu bitten und uns selbst für das Vergangene zu verzeihen. Unsere Lehrerin erklärt dazu, dieser Blick in die Vergangenheit hilft uns, mit dem Geschehenen unseren Frieden zu machen, um unsere Kraft zu nutzen, weiter auf unserem Weg voran zu gehen. Dieser führt uns zu neuen Herausforderungen: Während ich noch in einem Squat hockend versuche, meinen Arm unter meinem Oberschenkel durchzuschieben, um dann beide Hände hinter meinem Rücken zu greifen, lautet Anjas nächste Ansage, uns in dieser gehaltenen Verknotung mit Hilfe nur eines Standbeines in die Senkrechte aufzurichten. Das schaffen nur einige von uns. Wir anderen üben das Loslassen unseres Egos. Auch das ist Yoga.
Weiter geht es zum Herzzentrum, Anahata Chakra in der Mitte der Brust. Dieses Chakra wird durch Rückbeugen angesprochen. Es repräsentiert die emotionale Ebene, Liebe, Mitgefühl, Dankbarkeit, Wärme und Freude. Wir öffnen freudig den Brustbereich in einer Reihe von Rückbeugen: in der Heuschrecke, dem halben und ganzen Bogen, der Brücke und schließlich dem vollen Rad fühlen wir unser Herz weit werden. Geschafft, denke ich nach diesem Kraftakt. Doch es folgt noch ein zweites Rad, und zwar ausgerechnet für die Person, die uns in unserem Leben am meisten verletzt hat. Mir bleibt keine Wahl, ich öffne mein Herz und lasse es zu. Das folgende dritte (!) Rad ist für das friedvolle Miteinander aller Lebewesen auf dieser Welt. Eigentlich kann ich nicht mehr. Aber da komme ich nicht drumherum, diese Intention ist ein weiteres Rad wert. Beherzt drücke ich mich nach oben ab – und genieße die anschließende eigene Rückenmassage umso mehr.
Das fünfte Zentrum, Visuddha Chakra, liegt im Bereich der Kehle und symbolisiert die Sprache, den Selbstausdruck und die Kommunikation mit anderen. Für die Reinigung dieses Chakras ist der Schulterstand zuständig. Kraftvoll drücken wir den ganzen Körper nach oben und halten – und halten – und halten. Ich nehme den Moment so wie er eben ist und – halte. Für die Aktivierung des Stirnzentrums, Ajna Chakra, dem Ort der Einsicht und Intuition, führen wir in dieser Position eine Meditation durch und visualisieren ein strahlend helles Licht im Bereich des sogenannten „Dritten Auges“.
Ein Chakra fehlt noch – das siebte, Sahasrara oder Kronenchakra. Für die Krone üben wir den König der Asanas, den Kopfstand. Unsere Lehrerin spricht uns zu: „Auch wenn ihr nicht hochkommt, stimuliert euer Kronenchakra, indem ihr mit dem Kopf den Boden berührt. Das Heben der Beine ist eigentlich nur für Leute, die sich hier langweilen!“ Die Stunde hat unheimlich viel körperliche und emotionale Kraft gegeben, und so stehe ich ein paar Momente ganz frei und ohne Hilfe im Kopfstand, meiner persönlichen ganz harten Yoga-Nuss!
Als Abschluss der Chakrenreise chanten wir noch einmal alle Bija-Mantren, sitzen danach einige Minuten in Stille und geben uns die Zeit, die freigesetzten Energien und Schwingungen nachwirken zu lassen. Zuletzt geht’s in die wohlverdiente Savasana-Entspannung inklusive einer herrlichen Nackenmassage mit Lavendelöl. Ich sinke erschöpft, aber selig in mich selbst hinein, und aus dem Lautsprecher klingt Thomas D: „Herzlich willkommen zuhaus!“
Gastbeitrag von Maike Magnusen aus Dresden
Link: Jivamukti Studio Berlin
Impressionen vom Workshop
(Bitte auf das jeweilige Bild klicken)
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Autor: Maike Magnussen · Kommentieren · Trackback








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