24.12.2008
Yoga in der Villa Esche in Chemnitz
“Jeder kleine Teil der Zeit, jede Minute sehnt sich danach, ihre Seele einem Kunstwerk einzuhauchen, das diese Minute verewigen, ihre Seele in Ewigkeit aufbewahren soll.”
Henry van de Velde 1.

Villa Esche Musikzimmer
Baubeginn für die Villa Esche war im Jahr 1903. Auftraggeber war Herr Herbert Eugen Esche, Mitinhaber der Textilfirma Moritz Samuel Esche. Die Textilfirma war seiner Zeit sehr erfolgreich und exportierte ihre Seidenstrümpfe damals bis in das ferne China. Vor Fertigstellung der Villa wohnte die Familie auf dem Kaßberg. Den Auftrag für die Planung und Ausführung der neuen Villa Esche erhielt der belgische Architekt und Multitalent Henry van de Velde; eigentlich war er Maler! Bereits 1904 konnte die vierköpfige Familie ihr neues zu Hause beziehen.
Die Villa Esche verkörpert für mich Yoga. Warum?
Der Zeit des Jugendstils entsprechend entwarf er nicht nur das Haus sondern auch den Park, die Inneneinrichtung, die Möbel, das Geschirr und andere Gebrauchsgegenstände bis hin zur Pfeife des Bauherrn. Alles wurde von ihm für die Familie Esche entworfen. Alles passt zusammen. Alles bildet eine Einheit. Für die Familie wurde ein Lebensraum gestaltet. Nicht wenige Bürger von Chemnitz waren damals entsetzt über das wuchtige Bauwerk mit der gelben Außenfassade. Es war ein “…Bau an der Schwelle zur Moderne” 2.)
Es war der Mut und die Lust sich auf etwas Neues einzulassen, die diesen Bau ermöglichten. Ist es im Yoga anders? Nein! Um Yoga zu erfahren, brauchst Du nur Dich, Deine Yogamatte, eine ruhigen Platz, etwas Zeit und den Mut Erfahrungen zu machen und das Experiment “Yoga” 3.) kann beginnen.
So wie Henry van de Velde die Villa für die Familie abgestimmt hat, so abgestimmt sollte auch die Yogapraxis für jeden Einzelnen von uns sein. Es gibt nicht ein Yoga, sondern so viele Yoga wie es Menschen gibt. Yoga ist individuell! Yoga heißt Freiheit! Kein Zwang…
Das neue Anwesen der Familie ist geprägt von großen Räumen, von Licht durchflutet; von Morgens bis Abends. Alle Zimmer sind miteinander verbunden. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Henry van de Velde benutzt das Prinzip der fließenden Räume und schafft damit eine große Offenheit und Durchlässigkeit. Und im Yoga was machen wir da? Zum Beispiel Surya Namaskar. Wir begrüßen die Sonne und führe ihre Energie in unser Inneres, zu jeder einzelnen Zelle. Wir spüren die Weite und den Raum der durch die Asanapraxis entstehen kann. Wir öffnen unser Herz. 4.)
Visoka va jyotismati P.Y.S. 1.36
Oder wir wenden uns dem Licht in unserem Herzen zu, das von Leid unberührt ist. 5)
Um die Villa Esche zu beschreiben könnte man sagen, in der Einfachheit liegt ihre Größe. Klare Formen und Linien. Überflüssiges weggelassen. Henry van de Velde hat einen großen Sinn für die “Zeitlosigkeit” gehabt oder wie das Zitat eingangs ausdrückt: “…für die Ewigkeit aufzubewahren”. Ach heute, 100 Jahre später, wirkt die Villa eher modern. Sie ist zeitlos schön! Für mich ist das auch Yoga! Yoga ist eine über 4000 Jahre alte Form körperlicher und geistiger Übung. Und gerade in unserer heutigen Zeit wird Yoga immer populärer und wichtiger. Nach den USA ist Deutschland das Land, wo Yoga am meisten praktiziert wird. Wir sind auf den Mond geflogen, sind bis ins kleinste Atom vorgedrungen und doch fehlt uns etwas… das was sich nicht beschreiben lässt. Yoga bringt uns zurück zur Einfachheit. Zurück zum Kern. Zurück zu unserem tiefsten Innersten. Oder wie Bryan Kest 6.) immer so schön sagt: “Yoga is easy!”
Neben der Einfachheit hat der Architekt Henry van de Velde auch dem praktischen Wert der einzelnen Gegenständen hohe Bedeutung zukommen lassen. Beispielsweise sind in der Heizungsverkleidung Abstellfächer integriert, um das Geschirr nicht vorwärmen zu müssen. Und im Yoga ist ein großes Zitat – das man nie vergessen sollte: Yoga is 99% practice – 1% theory 7.)
Namaste’
—
1. Henry van de Velde, Band mit Essays, Insel-Verlag Leipzig, 1910
2. Die Welt vom 13.12.2001
3. Patanjali beschreibt Yoga mit “yogascittavrttinirodhah” mit dem zur Ruhe
Kommen der Gedanken, P.Y.S. 1.2
4. Krishna Das “Doing from the heart…” Unser Yoga sollte vom Herzen
ausgehen und nicht vom Verstand.
5. Erklärung des Sutras: Unser Blick wird weiter und offener werden, und
wir werden Erleichterung für unseren unruhigen Geist finden, wenn wir uns
auf Dinge ausrichten, die größer sind als unser individuelles Ich.
T.K.V. Desikachar in Das 6. Yoga Sutra des Patanjali
7. Bryan Kest hat wesentlich Power Yoga geprägt und bekannt gemacht und
lebt in Santa Monica
8. Sri K.Patthabi Jois
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Autor: Silvio · Kommentieren · Trackback



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