24.12.2008
Yoga & Fitness
Werden Kursteilnehmer zu Beginn gefragt, warum sie Yoga erlernen möchten, so spielt der Wunsch nach Ruhe und Entspannung aber auch nach Fitness eine entscheidende Rolle. Unweigerlich ergeben sich folgende Fragen:
1. Was sagen die alten indischen Texte zum Wunsch nach körperlicher Fitness?
2. Gibt es eine Asanapraxis für mehr Kraft und Kondition?
Ein Blick zurück
Bereits in der Hatha Yoga Pradipika wird Yoga als ein System beschrieben, welches bei regelmäßiger Praxis einen schlanken Körper, ein strahlendes Gesicht, glänzende Augen und vor allem Freiheit von Krankheiten verspricht. Doch ist das nur ein kleiner Aspekt von Yoga, der besonders in unserer westlichen Welt sehr entscheidend ist. B.K.S. Iyengar geht noch weiter und sagt: “Yoga ist eine Wissenschaft zur Befreiung der Seele, indem man Bewusstsein, Verstand und Körper in einen Zustand der Integration versetzt. … So wie jeder industrielle Prozess Nebenprodukte erzeugt, sind Gesundheit, Glück und Heilung Nebenprodukte von Yoga,… ” Allerdings ist die Gesundheit eines Menschen nicht zu unterschätzen im Bezug auf innerliche Ausgeglichenheit und Glück.
Entscheidend für unser Wohlbefinden sind innere Balance, genügend Schlaf, ein angemessener Rhythmus in unserem Leben, eine gesunde Ernährung und vieles mehr. Yoga ist also nur eine von vielen Möglichkeiten, dieses Glück zu erfahren und Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.
Welche Erwartungen an Yoga im Bezug auf Fitness sind angemessen?
Als Erstes muss festgehalten werden, dass Yoga kein klassisches Ausdauertraining wie zum Beispiel Schwimmen oder Joggen ersetzen kann. Und warum nicht? Im Ausdauersport wird vor allem unser Herz- Kreislaufsystem über eine längere Zeit beansprucht. Und das normalerweise ohne Pause. Diese Intensität kann durch eine Asanapraxis kaum erreicht werden. Wir erinnern uns – Entspannung ist das oberste Ziel unter Beachtung eines ruhigen Atems, Achtsamkeit in der Bewegung und der Blick nach Innen. Die Bewegungsabläufe der Asanaserien sind komplexer als die beim Ausdauertraining – ein langes Halten unter hoher körperlicher Belastung bei gleichzeitiger Aufmerksamkeit ist unmöglich.
Kann ich durch regelmäßiges Üben mehr Kraft bekommen?
Das ist die zweite Frage die sich in diesem Zusammenhang stellt. Wer Muskelwachstum zu erreichen möchte, muss hierfür sehr gezielt und auf besondere Weise üben. Nicht jede Anstrengung lässt den Muskel wachsen und kräftiger werden. Wer regelmäßig Yoga praktiziert, stellt oft fest, das früher schwere Stellungen plötzlich – von heute auf morgen – gehalten werden können. Anfangs sind es vielleicht nur 5 Atemzüge, aber später bereits 15 Atemzüge in dem du sicher in der Asana verweilst. Schnell bekommt man den Eindruck: Nun habe ich endlich die Kraft, die ich für die Stellung benötige.
Leider liegt dieser Vorstellung ein falsches Verständnis zu Grunde. Warum? In dem Zeitpunkt wo du die Asana sicher halten kannst, arbeiten alle beteiligten Muskeln synchron perfekt zusammen und du hast genügend Gleichgewichtssinn entwickelt. Die Muskeln sind in der Lage, die Kraft harmonisch zu entwickeln.
Harmonisch – ist gleichzusetzen mit ökonomisch; von beteiligten Nerven gut koordiniert und im Stoffwechselsystem angemessen reguliert. Praktisch bedeutet das, dass nur dort Spannung erzeugt wird, wo sie auch benötigt wird. So kann die Muskulatur über Stunden arbeiten, ohne zu ermüden. Auf der anderen Seite kann aber auch schnelle Anspannung ohne Zögern umgesetzt werden. Das Halten der Asana setzt ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Prozesse voraus:
Spielen alle diese Ebenen zusammen, so drückt sich das in einer größeren Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit aus. Dir ist es möglich, die Asana stabil und doch auch bequem zu halten. Und das führt zu mehr Kraft und Gesundheit. Hieran zeigt sich sehr schön die Ganzheitlichkeit des Yoga. Der ganze Körper profitiert von der Praxis.
Doch nun zur Frage zurück – wie können meine Muskeln wachsen? Muskelwachstum kann nur durch dynamisches Üben erreicht werden. Ein Muskel wächst am schnellsten, wenn er für eine kurze Zeit Spannung aufbauen muss und sich dann wieder entspannen kann. Dieser mehrmalige Wechsel von Spannung und Entspannung führt zum Erfolg. “Dynamisch” bedeutet also, die Asana langsam einnehmen, 5 tiefe Atemzüge und dann wieder auflösen. Alles was länger darüber hinausgeht, bringt kein Muskelwachstum.
Wenn es dir also um den Muskelaufbau geht, übe dynamisch, wiederhole Surya Namsakar (erste und zweite Serie) mehrmals – bis ein gewisser Zustand der Erschöpfung eintritt. Es ist die Kunst, den Köper nicht zu Überfordern aber auch nicht zu Unterfordern. Ein verspannter Muskel kann nicht gedeihen. Du musst also die getane Arbeit spüren. In dieser Asanapraxis zum Krafttraining besteht jedoch die Gefahr, das Yoga genau das verliert, was es so wertvoll macht: Das Verbinden von Körper, Geist und Seele. Willst Du diese Praxis für dich umsetzen so, musst du dir folgende Frage stellen:
Passt das Üben zu einer vorgeschlagenen Asanapraxis? Oder wird das Üben zum Fremdkörper und will ich das? Ist also Muskelwachstum gewünscht, so ist es einfacher, neben seiner Yogapraxis zwei Mal in ein gutes Sportstudio zugehen, um sich dort gezielt zu “quälen”.
Abschließend kann man sagen: Yoga macht fit – körperlich und mental! Fit für den Alltag, wie auch immer er aussehen möge. Mit Fit-Werden ist eine Verbesserung der muskulären Koordination und Kraftentwicklung, eine größere Beweglichkeit und eine verbesserte Körperwahrnehmung gemeint. Yoga geht aber in seinem Ursprung weit darüber hinaus. Zentraler Punkt im Yoga ist ein besseres Verständnis zur eigenen Person. Finde deshalb für dich die Antworten auf folgende Fragen:
- Was tut mir wirklich gut?
- Wo sind meine Grenzen?
- Was motiviert mich, wie viel davon ist selbstbestimmt, wie viel ist fremdbestimmt?
- Wie gehe ich mit der Wahrheit um, dass ich nicht ewig jung bleibe?
- Wie kann ich Veränderungen gegenüber offen bleiben?
Yoga bietet Handlungsmöglichkeiten an, die sich mit diesen Themen auseinander zusetzen.
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In Anlehnung an den Artikel – Yoga und Fitness – erschienen in VIVEKA, Hefte für Yoga Nr. 29
Die Hatha Yoga Pradipika ist eine ca. 500 Jahre alte Yogaschrift.
B.K.S. Iyengar ist Begründer des Iyengar Yoga und war direkter Schüler von Krishnamacharya. Iyengaryoga zeichnet sich durch ein ganz korrektes Üben der Asana aus – unter Zuhilfenahme von Blöcken und Bändern. Es ist die Yogaform – die dem medizinischen Aspekt vermutlich mit am nächsten kommt.
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Claudia vom Gesundheitsspiegel-Blog hat einen schönen Beitrag geschrieben, warum Muskeln durch Bewegungsmangel fett werden.

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Autor: Silvio · Kommentieren · Trackback






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