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8.10.2008

Reisetagebuch Yogatraumreise Toskana, Mai 2008

Toskana Gruppenfoto

Toskana Gruppenfoto

Vorab sei erwähnt, dass bei dieser Yogatraumreise das Reisetagebuch durch eine mehrköpfige Reisetagebuchredaktion geschrieben wird. Einige Mitreisende werden den Stift in die Hand nehmen oder die Tastatur des Laptops strapazieren, um ihre ganz persönlichen Eindrücke der Woche festzuhalten.

Samstag, 26. April 2008  – “A magic place”

Anreise. Unser erster Abend im Convento und die Begrüßung durch Marcel, den Hausherren. Seine Frau Martina ist derzeit in Deutschland und wird am Montag zurückkommen. Derweil wird er gemeinsam mit den anderen dienstbaren Geistern des Hauses für unser Wohl sorgen. Der erste Abend in der Toskana macht uns mit einem leckeren Essen und dem ersten Flaschen des Hausweines in dieser Saison Appetit auf eine Woche Yoga, Entspannung, italienische Lebensart und sonnige Tage mit netten Leuten.

Die zur Tradition gewordene Begrüßungsrunde ist diesmal so groß wie nie – 30 Yoga-Fans oder solche, die es noch werden wollen, sitzen im Kreis und tanken das erste Mal in dieser Woche gemeinsam Energie. Eine bunte Mischung von Neulingen und Wiederholungstätern ist es, die sich da zusammengefunden hat. Silvio und Walther geben einen ersten Überblick über die geplanten Aktivitäten und den Ablauf der Woche. Die Yogaeinheiten werden sich mit den 5 Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum beschäftigen.

Sonntag, 27. April 2008  “Ziel ist es, grundlos glücklich zu sein.”

Ein sonniger erster Urlaubstag im Convento beginnt in liebgewordener Manier um 7.00 Uhr morgens im Übungsraum. Die erste Yogaeinheit der Woche beschäftigt sich mit dem Element Erde.

Wir geben zu – die ersten Bewegungen und Übungen könnten etwas geschmeidiger von statten gehen. Aber wir haben ja noch einige Tage vor uns, in denen wir unsere Biegsamkeit erhöhen können. Man muss sich ja Steigerungsmöglichkeiten offen lassen :

Die Sonne ist gegen 9 Uhr schon so warm, dass es einige von uns zum Frühstücken nach draußen zieht – man gönnt sich ja sonst nichts! Ja, wir sind offensichtlich im Süden.

Erstmalig nutzen wir für den Basic-Kurs auch den oberen Übungsraum unterm Dach. So schnell geht der Vormittag dahin und wir stehen schon wieder mit halbem Bein am Mittagsbuffet. Vincenco, unser Koch, zaubert Spaghetti con Pesto, die oscar-verdächtig sind. Volle Begeisterung bei allen macht sich breit, so dass wir bestens gesättigt zum faulen Nichtstun übergehen können. Denn nach so viel Anspannung muss Entspannung folgen! Und wo kann man die besser finden, als hier. Wir haben Zeit zur Muße, zum Lesen, zum Schwatzen, im Liegestuhl liegen, faulenzen. Jeder verbringt den Nachmittag wie es ihm am liebsten ist. Einige schwingen sich auch aufs Rad oder nehmen die Nordic-Walking-Stöcke in die Hand. Die Entdeckung des Tages: Das Café im Ort bietet außer Cappuccino auch einen leckeren Prosecco an, der den Geschmackstest einiger Yogis sofort besteht. So gerüstet geht die Pranayama-Lektion am Nachmittag auch ziemlich heiter von statten. Beschwingt begeben wir uns auf eine kleine Reise zu unserem Atem und versuchen uns in verschiedenen Atemtechniken. Die Sanskrit-Bezeichnungen von Energieströmen und Übungen treiben uns die Schweißperlen auf die Stirn, wir schaffen es aber zwischen all den Chakras, Mudras und Bandas irgendwie doch noch, das Atmen nicht zu vergessen.

Die untergehende Sonne auf der Mauer vorm Haus sitzend zu genießen und über das Tal zu schauen, das ist immer wieder schön. Und so geht auch der heutige Tag so zur Neige. Vincencos Kochkünste tun ihr Übriges, um uns rundum zufrieden zu stellen und wir beschließen diesen ersten Tag hier – in ebenfalls liebgewordener Tradition – in lustiger Runde.

Montag, 28. April bis Freitag, 2. Mai 2008 HeimvorteConvento

Die Idee, das Reisetagebuch täglich und so wie es eigentlich üblich ist, weiterzuführen, stirbt schon am dritten Tag unseres Aufenthaltes im Convento. Geschuldet ist diese Tatsache nicht den mangelnden Erlebnissen oder berichtenswerten Ereignissen. Vielmehr zeigt sich darin, dass wir alle miteinander mehr als genug erleben und genießen. Und wenn wieder ein Tag voller Sonne, Yoga, gutem Essen und spaßigen Erlebnissen vergangen ist und man totmüde aber glücklich ins Bett fällt – wer holt da schon noch freiwillig den Laptop hervor um “Büro” zu spielen : Davon hatten wir alle ja schließlich genug und waren eben davor mehr oder weniger “auf der Flucht”, als wir uns auf den Weg in die Toskana machten.

Nun, da die Toskanawoche vorbei ist, fällt denn auch die Rückerinnerung an das Was- Wie-Wo-Wann-und-Wieso eines jeden einzelnen Reisetages schwer.

Daher also hier der Versuch, das Ganze “thematisch” aufzuarbeiten :

Yoga

Erstaunlich, wozu einen Yoga so alles bringen kann. Ich für mich kann behaupten, ein Morgenmuffel erster Güte zu sein. Für die morgentliche Yoga-Dosis schaffe ich es aber hier problemlos, punkt 7 Uhr auf der Matte zu stehen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie vielfältig Yoga sein kann, können wir während der Woche immer wieder feststellen. Neben den Einheiten am Morgen, die Walter und Silvio abwechselnd für die Einsteiger und Fortgeschrittenen Yogis leiten, gibt es ettliche “Sonderangebote” im Programm.

Martina, als Mitreisende dabei aber auch selbst aktiv als Yogalehrerin tätig, leitet eine Partneryoga-Stunde, die für viel Heiterkeit und Begeisterung bei den Yogis sorgt.

Walther gibt einen Einblick in die verschiedenen Pranayamas, also Atemtechniken. Bauchnabel, Zwerchfell, Lungenflügel, Brustkorb, Nasenlöcher… das grenzt schon fast an eine Anatomie-Stunde, ist aber faszinierend. Unterm Strich gilt aber einfach das Motto, welches Silvio auf seinem T-Shirt stehen hat: “Atmen ist gesund” :

Dass Rockmusik und Yoga bestens miteinander harmonieren können, zeigt uns Silvio in seiner Rock-Yoga-Stunde, bei der er uns richtig ins Schwitzen bringt. Seine Ankündigung vorher: “Diese Stunde wird 50% Yoga und 50% Spaß enthalten.” Die letzten Klänge von Metallica sind noch nicht ganz verhallt, da meint ein triefnasser Uwe: “OK. Und wo waren jetzt die 50% Spaß…?” – es lebe der Galgenhumor : Eine völlig ausgepowerte aber glückliche Masse Yogis ist voll des Lobes für diese “mal andere Art”, Yoga zu machen.

Besonderer Abschluss der Yoga-Woch und für die Toskana-Wiederholungstäter bereits ein Highlight, auf das sie nicht verzichten möchten, ist Walters “Long, deep and slow”- Stunde. Diese lässt sich problemlos in zwei Worten zusammenfassen: “Lass los”.

Nicht zu vergessen sind die spontanen Übungen, die einfach so zwischendrin “passieren”, wenn wir auf der Mauer oder der Wiese am Haus sitzen und uns unterhalten. Egal, ob Skorpion, Krähe oder anderes “Getier” – die Gelenke fliegen nur so durch die Gegend. Knotenbildung nicht ausgeschlossen!!

Essen

Tja. Was soll man dazu sagen. Vielleicht einfach nur “lecker”. Das Convento bietet vegetarische Kost an. Man mag meinen, dass aufgrund dessen das Aggressionspotential einiger fleischliebhabender Menschen deutlich gesteigert wäre.

Diese Bedenken kann man hier aber problemlos ausräumen. Vincenzo, unser Koch, zaubert jeden Tag leckere italienische Vor- Haupt- und Nachspeisen auf den Tisch, so dass alle auf ihre Kosten kommen.

Kleiner Auszug aus der Speisekarte gefällig? Caprese, Steinpilzrisotto, Grüner Spargel mit Spiegelei, Gemüsepfanne, Zuccini-Lasagne, Pizza (auch mal mit Salami, um Entzugserscheiungungen vorzubeugen), Panna Cotta, Birne Helene… und die “Wiederholungstäter” in Sachen Toskana fieberten schon ab dem ersten Tag dem Tiramisu entgegen, welches es traditionell einmal als Nachspeise gibt.

Der Ehrlichkeit halber muss gestanden werden, dass heimische Schokolade und Wurstwaren vereinzelt gesichtet und in nächtlichen Freßorgien auch verputzt wurden. Doch dabei ist es wie bei so vielem “die Mischung machts” :

Wein

Wir sind die Gruppe, die am meisten trinkt. Das sagt Convento-Besitzer Marcel über uns. Manche Dinge sollte man wohl einfach so stehen lassen und nicht weiter kommentieren…:

Vielleicht nur das: Wir sind keine Trinker, sondern Genießer und Fans dieses leckeren Landweins aus Casola! Und jeder, der mal bei untergehender Sonne mit italienischen Köstlichkeiten auf dem Teller draußen auf der Il-Convento-Terasse gesessen hat, kann uns sicher verstehen :

Ausflüge

Obwohl man eigentlich auch eine ganze Woche im Convento verbringen und aushalten könnte, zieht es uns doch ab und an hinaus, um die Gegend um Casola zu erkunden.

Wir besuchen den Bergsee, der im Vergleich zum letzten September nun gut gefüllt ist, aber auch eiskalt. Egal, für ein Sonnenbad, einen “Baum” im Wasser und das ein oder andere Kügelchen Gelati aus dem Cafe gegenüber reicht es allemal.

Anderntags steht eine Wanderung mit Marcel an. Gleich hinter dem Convento beginnt der steile Weg, welcher uns über die Berge der näheren Umgegend zu einem kleinen, verschlafenden Dörfchen namens Monte….? Bringt. Vom Vorplatz der Kirche aus eröffnet sich uns ein phantastischer Blick über die Nordtoskana. Wir haben sehr viel Glück mit dem Wetter, die Fernsicht ist beeindruckend. Unsere Freßpakete schmecken vor dieser Traumkulisse gleich nochmal so gut (es ist übrigens faszinierend zu sehen, wie sich morgens 30 Leute ihre Brote schmieren und Eier und Tomaten einpacken, diese liebevoll in Butterbrotpapier wickeln und dann in Öko-Tüten stecken…wie beim Schulausflug). Die Wanderung endet an der Equi-Therme, einer schwefelhaltigen Quelle, die gleich neben einem Gebirgsbach liegt und in der wir unsere heißgelaufenen Füße kühlen können. Im einzigen Café des dazugehörigen Dörfchens fallen wir ein wie ein “Schwarm”und gönnen uns Cappuccino, Kekse und Prosecco. Der Wirt macht mit uns den Umsatz der Woche. Als dann noch einer der Dorfbewohner aus dem Stehgreif eine italienische Opern-Liebes-Schnulze intoniert, ist die “Kitschpostkarte” perfekt.

Ebenfalls unvergesslich ist der Tag in Cinque Terre. Nachdem der Tag mit dunklen Wolken und einem saftigen Regenguss beginnt, reißt der Himmel doch noch auf und beschert uns einen Traumtag mit stahlblauem Himmel und Sonne satt. La vita e bella! Cinque Terre, das sind 5 Dörfer, die an die steilen Felshänge der Küste zwischen La Spezia und ….?? gebaut worden sind. Vom Schiff aus sieht man diese kleinen Dörfer besonders gut, kann aber auch mit dem Auto, dem Zug oder zu Fuß von Dorf zu Dorf wandern. Wie auch immer man sich dort bewegt – an einem so sonnigen und warmen Tag wie dem, den wir dort verbrachten, ist diese malerische Kulisse einfach wunderschön. Wir essen im Sonnenschein an der Promenade von Monterosso, gehen durch die engen Gassen der Städte, es gibt Gelati und Latte Macciato, Strand und italienische Lebensfreude in großen Portionen. Wir lassen es uns gutgehen und genießen den Tag in vollen Zügen.

Cinquie Terre

Cinquie Terre

Doch das ist nicht das einzig sehenswerte in der Gegend um Casola. Lucca, der Strand bei Lerici, viele weitere Dörfer und Wanderwege laden zum Ausflug ein. Ein jeder nach seiner Facon schaut sich an, was ihn interessiert. Oder verbringt den Tag einfach nur faul im Liegestuhl, liest sein Buch, genießt die Ruhe. “Jedem Tierchen sein Plaisierchen” :, lautet das Motto.

Specials

Specials verlangen von Spätaufstehern wie mir wieder das Äußerste. Und wenn man dann um 6.30 Uhr morgens mit einer Nasenkanne in der Hand im Garten des Convento steht und sich Salzwasser in Form einer Nasendusche ins rechte und linke Nasenloch schüttet, dann ist der Lachkrampf nicht weit. Ein Bild für die Götter ist das.

Ebenso das Wassertreten, auch in aller Herrgottsfrühe, gleich neben dem Convento im Fluß. Der übrigens, wie sollte es anders sein, eiskalt ist. Aber ein Yogi kennt ja keinen Schmerz und so heißt es Augen zu und durch. Einige von uns schaffen es, minutenlang durch die kalten Fluten zu waten. Die Füße spürt man danach zwar nicht mehr, aber ist umso wacher und munter, um gleich anschließend die Yoga-Einheit des Tages folgen zu lassen.

Als am letzten Tag dann die Liegewiese von uns okkupiert wird und jemand die Ohrenkerzen herausholt, meint Alex “das ist hier wie in der Kommune”. Stimmt. Fehlt nur noch die Blume im Haar und das Peace-Zeichen um den Hals : In der Idylle des Convento und in der Wärme der Sonne sind die Ohrenkerzen eine ganz friedliche und schöne Angelegenheit. Entspannung pur.

Flower Power

Flower Power

Als ob dem noch nicht genug wäre, haben wir auch zum erneuten Male unseren ganz persönlichen Feuerschlucker mit an Bord. Robert zeigt uns wie schon im September letzten Jahres, was man mit Feuer alles machen kann. Seine Show begeistert uns und gibt den Auftakt zum anschließenden Lagerfeuer. Und das am 30. April, an dem zu Hause vielerorts die traditionellen Hexen- oder Höhenfeuer lodern. Und wir haben hier in in Italien unser eigenes. Toll.

Und sonst…

…haben wir alle Giacomo, den Sohn des Kochs, ins Herz geschlossen. Der Kleine, unverkennbar eine Miniatur-Ausgabe von Vincenzo, hat sehr schnell Partner fürs Trampolinspringen, Kartenspielen oder Malbuch-Verschönern in unserer Gruppe gefunden.

…haben wir dieses Mal mehrere Yogalehrer, Radl-Fahrer, Nordic-Walking-Fans, Sonst-wenig-oder-gar-nicht-Sportler und sogar einen Speerwerfer in unserer Mitte gehabt.

…haben wir die Tage und Nächte mit Reden verbracht. Eine bunte Mischung von Leuten hat sich im Convento versammelt, die sich immer etwas zu erzählen hatte. Wie sagte Eva in der Abschlußrunde “der Gesprächsstoff ging nie aus”. So unterschiedlich die Menschen und die Themen auch sind, eines haben sie gemeinsam: sie sind richtig nett!

…haben wir uns schon am ersten und zweiten Tag die obligatorischen Sonnenbrände auf Nase, Schultern oder an den haupthaar-freien Kopfstellen geholt : (ist damit das Wort “Geheimratsecke” dezent genug umschrieben…?! : Es sei dazu erwähnt, dass wir durch zwei mitreisende Krankenschwestern sowie Physiotherapeutin und Ärztin medizinisch überdurchschnittlich gut versorgt waren sowie Reiseapotheken umfangreich vorhanden waren.

…haben wir errechnet (danke, Elke!), dass der Altersdurchschnitt unserer Gruppe bei 39 liegt und die Altersspanne vom jüngsten zum ältesten Mitreisenden satte 40 Jahre umfaßt (24 – 64 Jahre). Na wenn das nix is!!

…haben wir diverseste “Sprüche des Tages” gesammelt: “Entspannung gibt’s nicht, das ist eine Illusion….(hilf mir mal Silvio…..????)” oder “Kapalabati” oder “Omm und weg” oder ….(hilf mir mal Silvio…..????)”

…haben wir ettliche Bücherwürmer dabei gehabt, die die unterschiedlichsten Wälzer verschlungen haben. Zwischen Mord und Totschlag bis hin zu Bewußtseinsfindung und Traumdeutung ging die Palette. Und wir haben das Vorlesen wiederentdeckt.

Zusammenfassbar sind die Eindrücke, Gedanken, Erlebnisse solch einer Woche nur sehr schwer, weil sie so besonders ist. Jeder hat die Tage im Convento für sich, auf seine eigene Art und Weise erlebt. Hat daraus Kraft, Mut oder Erholung geschöpft. Hat Gedanken zuendegedacht, Dinge für sich geklärt oder neue Fragen aufgeworfen.

Nun klingt das zwar ziemlich philosophisch, aber ich denke, jeder, der diese Reise miterlebt hat, wird mir beipflichten.

Vielleicht passt es am besten, diesen Bericht über die Yogatraumreise in die Toskana im Mai 2008 mit einem Zitat zu beenden, an das ich mich erinnere und welches auch auf das Convento zutrifft…denn wie sagte die Reiseleiterin auf dem Schiff in Cinque Terre so schön? “So einzigartig wie hier ist es nur hier”.


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Autor: Silvio   ·   1 Kommentar   ·   Trackback

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