15.03.2009
Kamel Trekking Tour in der Wüste Sahara – Feb. 2008!
Eigentlich war geplant, für eine Woche zum Yoga nach NYC zu fliegen und in die amerikanische Yogawelt einzutauchen. Jivamukti Yoga, das OM Yogastudio und viele andere sind hier vor Ort; vielseitig wie das Leben so ist. Da aber Yoga Yoga ist, muss das nicht unbedingt sein und es gab dafür das volle Kontrastprogramm: Eine Woche Wüste, ohne Autos und ohne Menschenmassen, ohne Internet, Handy, Zeitung, Radio, ohne Häuser und ohne Straßen – ohne nix sozusagen.

Wüste Sahara
In nur zweieinhalb Stunden fliegt man von München nach Djerba in Tunesien. Hier erwartet uns Sassis, unser einheimischer Reiseführer. Sohn einer Nomadenfamilie. Die Wüste ist sein zu Hause. Sassis spricht perfekt deutsch und wenn mal was nicht klappt, gibt es nur eine Antwort: “Sabotage!”
Die erste Nacht verbringen wir im Herzen von Djerba, einem traditionellen alten Hotel mit dem Namen “Erriad” und ein Platz für viele Wüstentouristen. Der Januar ist kein typischer Reisemonat. Es gibt ganz wenige Touristen, alles ist noch verschlafen und wartet darauf, wachgeküsst zu werden. Die Reisegruppe formiert sich. Mit dabei ist ein Pärchen aus Österreich, zwei aus der Schweiz, eine Person aus Liechtenstein und drei Deutsche. Reisebegleiter sind Sassis und vier Einheimische, die uns das Essen kochen, Kamele be- und entladen, Zelte aufbauen und uns sicher durch die Wüste fahren.
Ziegen, Schafe, Kamele, Touristen und Starwars-Krieger
Am nächsten Morgen geht es sieben Uhr los. Wir beladen unsere Jeeps und dann beginnt die Reise in Richtung Sahara. Der Berg ruft. Die Wüste ruft! Wir setzen mit der Fähre auf das Festland über und fahren 300 Kilometer in Richtung Süden. Zwischendurch bleibt Zeit für einen Cafe und die leckeren tunesischen Süßigkeiten. Wir stoppen in Matmata. Hier gibt es 800 Jahre alte Höhlenwohnungen zu besichtigen. Stellenweise werden sie heute noch benutzt. In den Lehmboden sind komplette Wohnungen reingehauen wurden, sozusagen vollklimatisiert und ganz auf Bio. Diese Gegend um Matmata ist so einzigartig, dass sie als Kulisse für “Starwars – Krieg der Sterne” diente. Jetzt, wo Sassis mir das gesagt hat, kann ich mich auch erinnern. Nach diesem kurzen Ausflug kommen wir wenig später in Douz an. Douz ist die letzte große Stadt vor der Wüste. Es ist das Tor zur Wüste. Umschlagplatz für Kamele, Ziegen, Schafe, Gemüse und vieles mehr. Es ist der Anlaufpunkt für Nomaden, um auf Shoppingtour zu gehen; und auch die Ralley “Paris-Dakar” ist hier schon durchgedonnert. Hier kaufen wir uns unsere Touareg-Tücher und Sassis zeigt uns, wie man die Tücher um den Kopf wickelt, damit sie uns für die nächsten Tage vor Sonne, Wind und Sand schützen. Dann geht es weiter und wenige Augenblicke später verlassen wir mit unseren Jeeps die Asphaltstraße und es geht auf direktem Weg mitten rein in die Wüste. Wir bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns die nächsten Tage erwartet.
Das Schöne an dieser Reise ist, dass keiner weiß, was ihn erwartet. Es ist das Unbekannte was den Reiz dieser Woche ausmacht. Es ist eine Auszeit und eine Entdeckungsreise. Es ist ein neuer Rhythmus des Lebens, das Leben mit der Sonne und der Natur. Es ist die Zeit “der Zivilisation auf Wiedersehen zu sagen”. Zumindest für eine Woche. Für die letzten 85 Kilometer mit den Jeeps in der Wüste benötigen wir ganze drei Stunden! Die Fahrt geht in das Land der Nomaden und wir folgen den ausgefahrenen Spurrillen.

Unser Wüstenführer
Sassis – unser Reiseführer
5 Nächte im Hotel “Tausend und ein Stern”
Endlich ist es soweit. Wir können unsere Kamele in Empfang nehmen. Vielleicht aber nehmen auch die Kamele uns in Empfang. Egal wie rum. Das Abenteuer Wüste geht los. Anfangs traut sich niemand so richtig, auf dem Kamel zu reiten. Viele ziehen es vor, erst einmal sicher nebenher zu laufen und die ganze Sache zu beobachten. Die Tierchen sind schon groß und auch sehr niedlich. Aber doch auch fremd für uns Möchtegern-Nomaden. Nach einer Stunde erreichen wir unser erstes Nachtlager. So wie heute wird es die nächsten Tage immer abgehen. Kamele entladen, eine schöne Düne suchen, wo man seinen Schlafplatz einrichten kann, Feuerholz sammeln für unser Lagerfeuer und die Begleiter bauen die Küche auf. Küche aufbauen, wie das? Unsere Küche ist eine Feuerstelle und zwei Töpfe. Das Gemüse wird immer gedämpft und der Rest gekocht. Die Kamele werden in sicherem Abstand zueinander angebunden. Manche bekommen aber auch die Vorderbeine zusammengebunden, so dass sie nicht so schnell verschwinden können. Ein Trugschluss, wie sich ein paar Tage später noch herausstellen sollte.
Jetzt sind wir angekommen in der Wüste. Wir verzichten für die nächsten Tage auf eine Dusche, auf eine Terrasse oder Auf – und abgehen am Buffet. Wir beziehen unser Hotel mit “Tausend und einem Stern” und unsere “Zimmer” sind durch Dünen abgetrennt.
Eine Zeit in der Wüste zu verbringen, kann zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Es ist die unvorstellbare Weite und die absolute Ruhe, die einen verzaubern. Es ist das Farbenspiel zum Sonnenaufgang und zum Sonnenuntergang. Der Schatten der Dünen, das Rauschen des Windes und das Knistern des Sandes beim Laufen. Man hört den Flügelschlag eines Vogels und natürlich auch das ständige Kauen der Kamele. Und für mich das Schönste überhaupt ist der Sternenhimmel. Wir haben Neumond und sehen die Milchstraße noch als Milchstraße direkt über uns. Das rote Funkeln des Mars und auch das Sternbild des Orion prägen sich ein. Und so viele Wünsche, wie ich Sternschnuppen sehe, kann ich gar nicht haben. Alles ist großartig und perfekt.
Die erste Nacht unter freiem Himmel steht an. Die Idee ist es, nur im Schlafsack und auf einer Iso-Matte zu schlafen. Ohne Zelt. Im Januar kann es doch nachts ziemlich kalt werden. In der Reisebeschreibung wurden Nachttemperaturen von ca. 5 Grad und tagsüber bis zu 25 Grad genannt. Für mich in der Nacht eigentlich zu kalt. Nun ja, ich probiere es aus und ja, ich wecke auf, weil es mir kalt ist. Ich ziehe mir noch ein paar Socken an und noch eine Hose und noch einen Pulli und dann geht es. Und weil wir so viel leckeren Tee getrunken haben, bleibt mir auch der nächtliche Gang zur “Toilette” nicht erspart. Oh je, das ist ein besonderes Erlebnis. Am nächsten Morgen erzählen mir die Frauen, dass sie es lieber unterdrückt haben, als nachts sich hinter einer Düne einen stillen Platz zu suchen. Es ist ganz klar, die hygienischen Verhältnisse in der Wüste sind anders als im richtigen Leben. Wir sparen mit dem Wasser, wo wir können. Unsere tägliche Hygiene besteht aus dem Zähneputzen und die Haare irgendwie zurecht richten. Manche von uns verschwinden, mit ihren Feuchttüchern bewaffnet, und “pflegen” sich. Aber es ist kein Problem. Für niemanden von uns. Und ich war wirklich erstaunt, dass ich nicht der Einzige war, der vier Tage lang dieselben Klamotten anhat. Tag und Nacht. Da in der Wüste eine trockene Luft herrscht und man nicht so schwitzt, gibt es auch nicht die üblichen Körpergerüche. Niemals hätte ich das gedacht.
Kulisse für den Film “Der Englische Patient”
In den 5 Tagen legen wir ca. 80 Kilometer zurück. Wir wandern und reiten von West nach Ost. Morgens laufen wir der Sonne entgegen. Und es ist einfach nur schön, die wärmenden Strahlen der Sonne zu spüren. Überhaupt, es ist ein wahres Naturerlebnis, unsere Reise. Die Landschaften ändern sich von Tag zu Tag. Wir erleben Steppe, Sanddünen, so weit man sehen kann, wir laufen an Bergen vorbei und wir entdecken die Wüste täglich neu. Sassis sagt uns, dass hier in dieser Gegend der Film der “Der Englische Patient” gedreht wurde. Kein Wunder das ich mich hier so wohl fühle. Damals im Kino war ich von dieser Einzigartigkeit der Landschaft schon begeistert. Unvergessen bleibt das Zwitschern von zwei Vögeln, die weit weg waren. Es war nur das Zwitzschern zu hören. Nix anderes. Es war so deutlich, so zart und so eindringlich. Es war der Frühling in meinen Ohren. Vieles muss man einfach erleben – zu beschreiben fällt schwer.
Unsere ganze Reise war voll entspannt. Das Reiten auf den Kamelen war so einfach und unkompliziert. Viele Stunden habe ich auf dem Rücken dieser Tiere verbracht und ich habe keinen Muskelkater davongetragen. Auch das Sitzen selbst war bequem. Es war für mich wie eine bessere Rückenschule. Man konnte sich mal richtig durchschütteln lassen und die Bewegung tat einfach nur gut. Auf dem Kamel zu reiten oder einfach nur nebenher zu gehen, beides war genial. Vom Kamel aus konnte man besser die Landschaft genießen. Der Blick ins Weite und die leichte Briese vom Wind taten ihr Übriges. So gut wie auf dieser Reise hatte ich mich lange nicht mehr erholt. Und es gab immer wieder die kleinen A-Ha Effekte. In unseren Pausen gab es frische Orangen. Sehr lecker! Und die Schalen bekamen die Kamele als kleine Leckerlies.
Ich könnte hier noch viel schreiben. Aber schau einfach die Bilder an und bekomme einen kleinen Eindruck davon, was die Wüste zu bieten hat.
Die Wüste lebt!
Tebqâu bes-slâma! Auf Wiedersehen!
Impressionen von der Reise
(Bitte auf das jeweilige Bild klicken)

Gewinnspiel
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Autor: Silvio · Kommentieren · Trackback







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