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yogafrosch

16.04.2009

Yoga und Wanderreise in die Toskana. Mai 2007


Gruppenfoto Mai 2007

Yogabasics im Convento in der Toskana. Nun bereits zum dritten mal. Diesmal ist alles anders wie in den Vorjahren. Nachdem ich die Reisedaten und den geplanten Ablauf in meinen Kursen mitgeteilt hatte, haben viel ihr Interesse bekundet und wollen mitfahren. Für mich war es diesmal wichtig, dass auch der Partner/in bzw. Ehemann oder Ehefrau, die Yoga bisher nicht praktizieren, Yoga-Erfahrungen sammeln können und nicht zu Hause bleiben müssen. Deshalb bieten wir erstmals einen kompletten Yoga-Grundkurs in der Toskana an, mit den wichtigsten Asana (Körperhaltungen), Atemtechniken aus dem Pranayama und Konzentrationsübungen. Für alle anderen gibt eine morgendliche Yogaeinheit mit 2 bis 3 Stunden und zwei Nachmittags-Workshops für alle. Yoga-Neulinge haben den Luxus Ausschlafen zu können, Beginn ist hier nach dem Frühstück um 10 Uhr. Für unsere “Yogistars” beginnt der Tag bereits um 7 mit “Om mane padme huum” . Mehr zu diesem Mantra später.

Nun war es soweit. Unsere Yoga-Reisegruppe ist größer geworden, als ich ursprünglich wollte. Geplant war mit ca. 20 Personen eine Woche Yoga Urlaub in Italien zu verbringen. Schlussendlich waren wir 28 Yogis, und welche die es werden wollen, inklusive zwei Kids, die hier im Gelände zelten dürfen. Wie schön. Unterschiedlicher kann die Gruppe nicht sein. Aufs Alter bezogen bewegen wir uns zwischen 10 bis 60 Jahren. Viele Teilnehmer kommen aus München und der Umgebung, aus Chemnitz, Berlin, Potsdam aber auch zwei Mädles aus der schönen Schweiz (Zürich) sind mit dabei. Sie haben uns in den Weiten des Internets gefunden und waren von den Bildern der Vorjahre so angetan, dass sie im Mai dabei sein möchten. Eine gute Entscheidung, wie sich noch herausstellen sollte ;-)

Samstag ist Ankunftstag. Die meisten von uns kommen Nachmittags an und lassen sich von Martina, der Hausherrin, ihre Zimmer zeigen. Für die, die noch nicht hier waren, ist die erste Überraschung perfekt. Die Magie des Convento (Kloster) beginnt zu wirken, alle sind begeistert von den vielen liebevollen Details in den Räumen. Kleine Blumenvasen und altertümliche Figuren befinden sich in den Nischen im Mauerwerk, 400 -Jahre alte Balken in den Zimmern und freier Blick auf CASOLA, einem typischen Steindorf – eine 200 Seelen-Gemeinde im Norden der Toskana. Schwalben ziehen vorbei an den Fenstern, die sich im Convento genau so wohl fühlen, wie wir Weitgereisten. Schwalben zählen als Glücksbringer, erzählt mir Walter. Noch mehr Glück…, brauch ich eigentlich gar nicht, denke ich. Ich bin wieder zu “Hause” angekommen. Die Yoga Woche kann losgehen!

In unserer abendlichen Vorstellrunde wir ganz schnell klar, das alle eines suchen: Ganz viel Erholung und viel Yoga-Praxis! Jeder erzählt in wenigen Sätzen, warum er hier ist und wie lange er Yoga übt. Uwe aus Chemnitz berichtet, dass er “Yoga ab morgen macht” (Hoffnung und Vorbild für die anderen Yoga-Neulinge, die unsicher sind, ob sie sich outen sollen…) und eigentlich nur hier ist, um Urlaub zu machen. Sein ganzes Leben sei im Umbruch, seit 9 Tagen ist er stolzer Nichtrauchen und weiß noch nicht wie er die Woche ohne Fleisch (es gibt italienisch vegetarische Vollpension) überstehen soll, da Fleisch wichtiger Bestandteil seiner Ernährung ist. Abwarten U. aus C. denke ich. Du wirst Dich noch umgucken ;-) Und so lernen wir uns näher kennen.

Unsere Morgenpraxis für die Yogistars (mit Yoga-Erfahrungen) beginnt mit dem Mantra “Omm mane padme huum”. Es kommt aus dem Buddhismus und dessen Bedeutung ist für mich als Yogalehrer religionsübergreifend. “Omm” ist die Ursilbe, die Einheit von allem. “Mane” wird mit Wissen übersetzt – unser Intellekt. “Padme” steht für Mitgefühl, das von Herzen kommt, symbolisiert durch eine Lotusblüte. “Humm” steht für die Verbindung. Wissen ohne Mitgefühl ist bringt genau so wenig, wie Mitgefühl ohne Wissen. Damit schwingen wir uns ein, kommen zurück zu unserem Zentrum. Circle of Fire – das ist eine Übungsequenz aus dem Kundalini-Yoga. Mein Ziel ist es, diese Technik den Teilnehmern mit auf den Weg zu geben, für die eigene Praxis zu Hause. Sie beinhaltet Asana-Elemente, Pranayama, Mudras und Bandhas, aber Reinigungstechniken, sogenannte Kriyas. Deshalb üben wir diese Sequenz täglich. Zum Nachlesen und Nicht-Vergessen gibt ein Hand-Out. Weiter geht es mit Sonnengrüßen (Surya Namaskar), Stehpositionen, Seit- und Vorbeugen, Twists und Umkehrpositionen, Konznetrationsübungen und einer End-Entspannung. Für uns als Yogalehrer ist es immer wieder faszinierend, unterschiedliche Yoga-Traditionen einfließen zu lassen und frei zu sein. Jivamukti-, Power-Yoga, Kundalini- oder auch Iyengar Yoga – egal wie die Bezeichnungen auch sind, alles ist Hatha-Yoga. Es ist 9 Uhr morgens, Zeit zu frühstücken. Für unsere “Yoga-Beginner” wird es langsam ernst. Die erste Yoga-Stunde rückt näher.

Die Beginnnerstunden finden im kleinen Yogaraum unterm Dach statt. Dieser Raum ist hell und sonnig und er strahlt eine absolute Ruhe aus. Genau richtig um entspannt Yoga zu lernen. 90 Minuten dauert die Einheit und alle 7 Teilnehmer waren positiv Überrascht und wollen morgen früh wieder kommen. In diesem Rhythmus gibt es unsere morgendliche Yogapraxis. Und für den ein oder anderen machen sich Muskeln bemerkbar, die man so noch nicht kannte. So berichtet mir eine Grund-Kursteilnehmerin, dass sie Muskelkater im Bauch habe, vom vielen Atmen. “Schön” denke ich, wenn meine Anweisungen “vollständig mit Hilfe der Bauchmuskeln ausatmen und den Buchnabel in Richtung Wirbelsäule ziehen; die Lunge auspressen, wie ein Schwamm…” auch ihre Wirkung zeigen. Das sind die Yoga-Erfahrungen, die jeder für sich macht, welche ich im theoretischen Teil angesprochen habe. Individuell verschieden.

Gut angekommen ist auch meine OUTDOOR Yogastunde, auf der Wiese. Die Nachmittagssonne kitzelt uns im Gesicht und die Temperaturen sind erträglich. In dieser Yoga-Einheit haben wir 90 Minuten “nur” geatmet. Kaphalbati und Nadi-Shodana (die Wechselatmung) habe ich theoretisch und praktisch eingeführt und dabei unsere Erfahrungen von der letzten Indienreise einfließen lassen.

Ein besonderes Highlight war auch wieder unsere Partner-Yogastunde. Da bei manchen diesmal auch der Lebenspartner/in mit war, war das eine ganz besondere Erfahrung, sich auf einander einzustellen, Loslassen zu können und Vertrauen zu spüren. Und das in einer Yogastunde. Was es nicht alles gibt, wird sich der ein oder andere gedacht haben. Walter hatte die gute Idee, die End-Entspannung ausfallen zu lassen und dafür Lichtkraft-Ohrkerzen einzusetzen. Sie sind ein altbewährtes Naturheilmittel. Bereits sehr früh entdeckten Menschen den positiven Einfluss von Licht und Wärme auf unser Wohlbefinden. Die Ursprünge reichen zurück in den asiatischen Raum und zu den Naturvölkern Nord- Mittel- und Südamerikas. Ohrenkerzen werden beispielsweise empfohlen bei Ohrengeräuschen, Schnupfen, Druck im Kopf und Neben und Stirnhöhlenentzündungen. Für einige Kursteilnehmer sah optisch eher aus, “… einen Joint durch die Ohren zu rauchen.” . Wie auch immer, allen hat es gefallen und es gab fantastische Fotos. Jeder bekommt sein Ich-liege-da-und-stecke-mir einen-JointKerze-in-mein-Ohr Foto, als Erinnerung an die schöne entspannte Zeit in der Toskana.


Lass los

Marcell, der Hausherr vom Convento und Man von Martina, ist begnadeter Wanderführer. Mit ihm zusammen unternehmen wir eine 5-Stunden Wanderung in der näheren Umgebung. Wir wandern durch fünf kleine Toskanadörfer, vorbei an einer Kirche des Opus-Ordens aus dem 8. Jahrhundert, füttern kleine Ziegen, streifen durch ausgedehnte Kastanienwälder und genießen Cappuccino und Late Maciato. Marcell ist überrascht, dass so viele mitwandern. Mit einer so großen Gruppe (25 Personen) habe er das noch nie gemacht und zeigt sich erstaunt, wie gut die Gruppe harmoniert. Na ja, ich habe von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt. Auch den zwei Schweizerinnen gefällts und sie unterhalten sich mit Marcell schwiezerdeutsch, da die Schweiz auch seine Heimat ist.

Und so vergeht Tag für Tag, mit ständig neuen Eindrücken und Erfahrungen. Margit und Gerhard aus München nutzen die freie Zeit, wo kein Yoga oder Essen ansteht, um mit ihren Mountainbikes die Umgebung zu entdecken. Susan aus Marienberg liest mein Buch “Schlampenyoga”, andere relaxen einfach nur oder fahren ans Meer. Und unsere zwei mitgereisten Kids sieht man immer nur einen kurzen Augenblick; Trampolin-Springen, Eis-Essen im Dorf – es gibt so viel zu tun hier im Convento. Uwe aus Chemnitz ist nun bereits seit 15 Tagen Nichtraucher und seit Mitte der Woche Teilnehmer der “Fortgeschrittenen-Yogagruppe” und lebt immer noch – auch ohne Fleisch auf dem Teller.

Namaste’

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Autor: Silvio   ·   1 Kommentar   ·   Trackback

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