16.02.2009
Eine Ayurveda Pancha Karma Kur in Kerala/Indien
Wie und wo soll ich bei meinem Reise- bzw. Kurbericht am Besten anfangen? Vielleicht bei den Gründen, warum es dazu überhaupt kam

Palmenblatt, Makro
Manche Menschen bleiben von Krankheiten weitgehend verschont oder sie kommen nicht zum Ausbruch. Andere wiederum bekommen bereits mit einem Alter von 25 Jahren Probleme mit dem Körper, die sonst eher älteren Menschen vorbehalten bleiben, was völlig untypisch ist. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Neben der klassischen Schulmedizin bietet auch die Alternativmedizin gute Ansätze, gegen zuwirken.
Aus Sicht des Ayurveda entsteht jede Krankheit aus einem Ungleichgewicht der Doshas. Das führt dazu, dass Giftstoffe (Sanskrit: Amma) abgelagert werden und das körperlich-geistige Gleichgewicht nicht mehr besteht. Das amma sich im Körper festsetzt, hat verschiedenste Gründe. Einerseits ist es die falsche Ernährung (zum Beispiel auf seinen Dosha-Typ bezogen) oder andererseits ein ungesunder Lebenswandel (zu viel Stress und zu wenig Regenerationsphasen für den Körper) oder es sind erblich bedingte Krankheiten. Um das Prinzip einer Ayurveda-Kur besser zu verstehen, muss man wissen, wie Ayurveda eine Krankheit erklärt.
Die Lehre vom Leben, so wird Ayurveda übersetzt, beschreibt sechs Stufen. Im ersten Stadium kommt es zur Ansammlung der Doshas, d.h. ein dauerhafter Reiz führt zu einer Vermehrung eines bestimmten Doshas in einem bestimmten Körperbereich und führt dabei zu mehr Aktivität. Das Gleichgewicht hat sich verschoben.
In der zweiten Stufe kommt es dann zur Anregung dieses Doshas. Gibt es weiterhin krankmachende Impulse und wird das Gleichgewicht nicht wieder hergestellt, sind die ersten Anzeichen einer Krankheit zu erkennen. In der dritten Stufe ist die Ausbreitung des gestörten Doshas charakteristisch. Gibt es weiterhin Reize, so beginnt das Doshas im Körper zu wandern und verlässt seinen normalerweise lokalen Bereich. Es breitet sich aus. Zu viel Varta führt beispielsweise zu Nervosität, Kreislaufstörungen. Im vierten Stadium lagert sich das zirkulierende Dosha im Körpergewebe ab. Aus einer bisherigen funktionellen Störung wird eine organische Störung. Je nachdem in welchen Organen sich Amma (Giftstoffe) ablagern, gibt es unterschiedliche akute Erkrankungen. Zu viel Varta kann sich beispielsweise im Magen, in den Atemwegen oder in den Gelenken ablagern. Zu viel Pitta kann zu Entzündungen in den Gelenken führen und es kommt zu rheumatischen Erkrankungen. Zu viel Kapha kann zu Verdauungsproblemen und damit zu Übergewicht führen, was wiederum das Herz zu sehr belastet. Im fünften Stadium kommt es dann zum Ausbruch der Krankheit. Oft ist der Impulse ein geringer Anreiz von Außen. Mit einem Mal ist alles anders. Sozusagen über Nacht. In Phase sechs wirkt die Krankheit. Entweder sie kann ausheilen oder sie wird chronisch. Aus Sicht des Ayurveda muss eine Krankheit ausheilen und nicht nur lediglich durch bestimmte Tabletten unterdrückt werden. Hierin besteht aus meiner Sicht der große Unterschied zur westlichen Schulmedizin. Ayurveda setzt bei den Wurzeln an und bezieht das gesamte individuelle Leben bzw. die Lebensweise in die Behandlung mit ein.
Unser Leben ist ein ständiger Prozess der Veränderung und wir sind permanent den Einflüssen unserer Umwelt ausgeliefert. Ob es nun das Wetter, unsere Arbeit, unsere momentane Lebenssituation ist oder auch unsere Ernährung. Diese Veränderungen führen zu einem ständigen Anpassen der Doshas. Das natürliche Gleichgewicht stellt sich bei einem gesunden Menschen automatisch ein. Es ist der Prozess der Selbstregulierung bzw. Selbstregeneration. Erst wenn die Reizeinwirkungen mit einer dauerhaften ungesunden Lebensweise zusammentreffen, kommt es zur dritten Phase und das gestörte Dosha breitet sich aus.
Ayurveda versucht auftretende Störungen (Phase vier) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ist die Krankheit noch in den ersten Stadien, genügen bereits kleine Veränderungen in der Lebensführung, Ernährung etc. Ist die Krankheit hingegen bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, geht es darum, den Körper von seinen Giftstoffen zu befreien. Dabei kann eine Pancha Karma sehr wirkungsvoll sein. Es ist eine Reinigungskur die für uns Europäer anfangs unverständlich und nicht logisch ist, d.h. mit unserem Intellekt und unseren Erfahrungen nicht nachvollziehbar ist. Genau wie im Yoga gilt es, sich auf was Neues einzulassen, offen zu sein und seine eigenen Erfahrungen zu machen.
An dieser Stelle möchte ich unbedingt festhalten, dass eine Ayurveda-Kur zur Behandlung von chronischen Krankheiten für Menschen, die diese Offenheit nicht besitzen, wenige Erfolgschancen hat. “Glaube versetzt Berge” so ein altes Sprichwort.
Der menschliche Körper ist ein Wunder der Natur
In Sanskrit gibt es einen schönen Begriff wie unser Körper gesehen wird: Amrit Kalash – Gefäß der Unsterblichkeit. Das liest sich für den Ottonormalbürger ziemlich abgehoben. Für alle anderen, die sich in indischer Philosophie etwas auskennen, sagt es wiederum alles. Unser Körper beherbergt reines Wissen und Bewusstsein und ist aus diesem entstanden. In jedem Augenblick gibt es neue Impulse und diese verändern den Körper von Augenblick zu Augenblick. Alles ist miteinander verbunden. Alles ist im ständigen Fluss. Nichts lässt sich aufhalten. In jeder Sekunde werden neue Zellen gebildet und sterben ebenso viele wieder ab. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich aller vier Wochen unsere Leber komplett erneuert. Gut für all die, die zuviel Alkohol trinken! Es gibt noch eine Chance für Dich! In sieben Wochen wird unsere Magen-Darm-Schleimhaut und in drei Monaten unser Skelett neu gebildet. In einem Jahr bilden sich 98 Prozent aller Körperzellen neu. Unglaublich!
Der Alterungsprozess ist dadurch bedingt, dass wir uns immer wieder nach dem alten Muster regenerieren. All das, was uns ausmacht, unser Denken, Fühlen und Verhalten – alle Erfahrungen unseres Lebens, übernehmen wir wieder mit. Jeder Lebenseindruck wird in unseren Zellen gespeichert. Jede Zelle enthält unser individuelles Bewusstsein. Diese Tatsache war den alten indischen Weisen bekannt. Und das bereits vor mehr als 4.000 Jahren, wo es noch keine hochmodernen medizinischen Gerätschaften und Untersuchungsmethoden gab, wie in unserer Zeit.
Ayurveda kennt eine direkte Verbindung zwischen persönlicher Lebensweise, der Kraft der Gedanken, Gesundheit und Wohlbefinden. Vollkommene Gesundheit ist nur möglich, wenn wir uns im Gleichgewicht befinden und unsere Zellen sozusagen positive Impulse bekommen. Unsere eigenen Selbstheilungskräfte können wir nur dann aktivieren, wenn wir uns dieser Ganzheitlichkeit bewusst sind. Jeder Mensch hat seine eigene persönliche innerliche Apotheke.
Ayurveda hat das Ziel, die Harmonie zwischen den Doshas wieder herzustellen und zu erhalten. Dabei ist es wichtig, Stoffwechselgifte aus dem Körper auszuleiten und den Körper innerlich und äußerlich zu reinigen. Eine Pancha-Karma-Kur ist eine intensive Reinigung, die uns Heilen kann.
Pancha-Karma – eine ayurvedische Reinigungstherapie
“pancha” wird übersetzt mit “fünf” und “karma” steht für “Handlung”. Eine Pancha-Karma-Kur kann der Regeneration, aber auch der Behandlung von chronischen Krankheiten dienen. Dabei gibt es viele verschiedene Techniken aus verschiedenen Traditionen. So ist beispielsweise die Ayurveda-Behandlung im Süden Indiens anders als im Norden. Aber alle haben die selben Wurzeln und helfen.
An dieser Stelle möchte ich unbedingt erwähnen, dass solch eine Kur von einem erfahrenen Ayurveda-Arzt durchgeführt und begleitet werden sollte. Sie kann ambulant oder auch stationär erfolgen. In Indien wird Ayurveda oft über viele Generationen betrieben und das Wissen und die Erfahrungen auf das nächste Familienmitglied übertragen und weitergegeben. Da Ayurveda bei uns im Westen so populär geworden und der Begriff “Wellness” allgegenwärtig ist, gibt es auch in Indien Menschen, die hier einfach mitverdienen möchten. So wird aus dem “wahren” Ayurveda eine “Ware”-Ayurveda. Was ich damit sagen möchte, es ist für uns oft ein Glücksfall, an den richtigen Arzt zu kommen. Gerade bei einer Kur in Indien sollten wir uns nicht von einem schönen Artikel mit bunten Bildchen in einer deutschen Wellnesszeitung leiten lassen. Wichtig ist immer ein “Check-Up” des persönlichen Krankheitsbildes und der momentanen Situation.
Viele Menschen verbinden Ayurveda automatisch mit Wellness und Wohlfühlen. Bei einer Behandlung von chronischen Leiden ist eine Ayurveda-Kur eher eine Hardcore-Kur. Als ich mich damals mit einem deutschen Ayurveda-Arzt unterhalten habe und sagte, dass ich mich in einem indischen Ayurveda-Hospital behandeln lasse, sagt dieser nur: “Die indischen Behandlungen können wir oft dem Deutschen gar nicht zumuten, weil sie so rabiat sind.” Das sollte heißen, im Westen sind viele Behandlungen abgemildert. Die Inder gehen etwas “härter” und traditioneller zur Sache. Diese Aussage hat mich bestätigt, in dem, was ich vor hatte.
So wird ein guter Arzt dir verbieten, mittags in die Sonne zu gehen oder dich zu viel zu bewegen. Selbst das Treppensteigen ist für bestimmte Menschen in dieser Zeit tabu. Es ist falsch während der Kurzeit im Regen spazieren zu gehen oder im Meer zu baden. Ich selbst hatte das anfangs etwas lockerer gesehen und wollte die Zeit für meine Yoga-Praxis nutzen. Als ich in den Kopfstand ging, bin ich zusammengebrochen und das, obwohl es für mich eine einfache und bekannte Übung ist. Was war der Grund? Die Massagetechniken mit heißem Öl sind so intensiv, dass sie jeden einzelnen Muskel butterweich machen und jegliche Körperspannung verschwinden lassen. Das Öl geht durch bis auf die Knochen und nimmt auch diesen die Stabilität. Das muss man wissen. Ich habe es Erfahren und mich die nächste Zeit daran gehalten. Nach einer intensiven Pancha-Karma-Kur braucht der Körper ca. vier Wochen Zeit, um seine ursprüngliche Stabilität wiederzubekommen.
Ein anderes Beispiel ist der Stirnguss (shirodhara). In jeder Ayurveda-Zeitung sieht man dieses Bild, wie eine gut aussehende Frau völlig entspannt da liegt, das Öl über die Stirn fließt. Der Inbegriff von Wellness. Eine traditionelle indische shirodhara-Behandlung während einer Pancha-Karma-Kur ist alles andere als entspannend für mich gewesen. Und auch nicht für die anderen Patienten, wie ich noch erfahren sollte. Ich hatte das Gefühl, mein Kopf ist schwer wie Blei. Jede weitere Minute auf der Holzliege war eine Qual. Der Arzt hatte mich vorgewarnt. Es kann sein, dass ich unruhig schlafe und viel träume. Und so kam es dann auch. Ich habe so “verrückte” Sachen nachts verarbeitet, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Es hat sich so viel gelöst. Gerade in diesem Punkt hatte ich mir Ayurveda völlig anders vorgestellt. Aber es hat geholfen. Das ist das Wichtigste.
Impressionen Galerie
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Autor: Silvio · 13 Kommentare · Trackback
























13 Kommentare | Eigenen Kommentar schreiben
Ich würde sehr gerne erfahren, wo DU diese Pancha Karma durch geführt hast? Ich bin chron.krank und bereit dafür. Vielen lieben Dank im Voraus
Karen
Hallo liebe Karen,
ich habe Dir soeben eine E-Mail geschrieben. Viel Erfolg. Eine echte Ayurveda-Kur hilft mit Sicherheit! Du musst mindestens vier Wochen einplanen und viele Bücher mitnehmen. Silvio
Danke für diesen Beitrag! Will schon länger eine Panchakarma Kur machen aber bin mit den Angeboten echt überfordert! Und hab irgendwie Angst dass ich womöglich dann auch in so ein Wellnessresort komme! Würde mich echt freune wenn du mir auch sagen kannst wo du die Kur gemacht hast und vielleicht auch noch andere Tipps zur Kur! Vielen Dank i*
Hallo Ivonne,
neben der Kur würde ich vorher unbedingt eine ayurvedische Ernährungsberatung empfehlen und die Ernährung umstellen. Ich schreibe Dir gleich eine Mail. Silvio
Guten Tag Silvio
Auch ich bin auf der Suche nach einer traditionellen und echten Ayurveda-Anlage in Kerala. Hast du einen Überblick? Wo warst du? Danke für die kurze Antwort.
Gruess
Ruedi
Hallo Silvio ich hätte auch gerne die Adresse-ich bin auf der Suche und es ist garnicht einfach etwas interssantes zu finden. Zudem kostet es einfach viel geld. danke für deine Hilfe. Gruss sonja
Liebe Leute,
wo hast Du denn Deine ayurvedakur in Kerala gemacht? Gib mir doch Bescheid.
Danke und liebe Grüße
Sigrun
Hallo Silvio,
auch ich würde gerne wissen wo du deine Kur gemacht hast?
Ich bin auf der Suche nach einer guten Kur in Kerala, ca. 4 Wochen, damit sich meine Haut endl. etwas beruhigt.
Allerdings habe ich nur von mitte Mai bis mitte Juli Zeit. Rätst du von dieser Periode ab, weil das Klima nicht optimal ist?
Danke schon mal, lg
Solenn
Hallo,
ich möchte gerne ein indisches panchakarma machen, um in einer phase der umorientierung neu mit mir umgehen zu lernen und diverse krankheitsherde in den griff zu bekommen – könntest du mir eventuell sagen, ob das auch kurzfristig, also sozusagen ab jetzt geht und wo genau? liebe grüße, britta
Hallo Silvio,
würde mich sehr freuen wenn Du mir kurz Adresse und auch etwas über den Preis der Kur schicken könntest.
Besten Dank und Alles Gute,
Kati
hallo silvio,
ich würd mich auch über den link bzw. eine info zu deiner kur freuen.
dankeschön+lg
ruth
Lieber Silvio,
kannst du mir bitte auch genauere Angaben über die Kur in Kerala schicken? Ich bin auch schon länger auf der Suche und würde mich über eine Rückmeldung freuen! Vielen Dank schon einmal für deinen Bericht! Lieben gruß, Teresa
Lieber Silvio,
ich schließe mich meinen Vorgängern an und möchte Dich auch um Angaben über die Kur in Kerala und in welcher Anlage Du warst bitten.
Vielen Dank.
Liebe Grüße
Rosi
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