12.10.2009
Yoga (Asanapraxis) und Schmerzen
Yoga und Schmerzen – schließt sich das nicht aus? Ist Yoga nicht eher sich Wohlfühlen (auf Neudeutsch: Wellness)? Schmerzen im Yoga?
Der Hatha-Yoga-Weg ist von der Natur her ein körperlicher Weg, d.h. wir nutzen unseren Körper, um anschließend in die Ruhe zu gehen und damit Stille zu erfahren. Dafür bietet uns Yoga die Asanas an. Die Hatha-Pradipika, eine über 500 Jahre alte Yoga-Schrift besagt, dass es über 840.000 verschiedene asana gibt. Eine große Bandbreite und eine unglaubliche Auswahl, wobei die Zahl eher auch symbolischen Charakter hat.
Aus den Erfahrungen meiner bisherigen Yogapraxis, den zahlreichen Workshops war für mich die Vorgabe im Bezug auf Schmerzen in der Yogapraxis bisher klar:
„Geh in die Position soweit hinein, bis Du Deine individuelle Dehngrenze wahrnehmen kannst. Und Du magst geh ein kleines Stück zurück. Die eigenen Grenzen kennen lernen, lernen zu akzeptieren und nicht zu überschreiten. Stira – Sukam. Stabil und leicht wie Patanjali in seinen Yoga-Sutren schreibt. Der Atem sollte in allen Positionen frei fließen können…“
So oder so ähnlich sind die Ansagen in meinen Yogastunden. Jetzt lese ich das Lebenswerk von B.K.S Iyengar, sein Buch „Licht auf Leben“.
„Schmerzen: Finden Sie auch im Unbehagen zum Behagen“ – so lautet die Überschrift eines Kapitells, in dem er sich intensiv mit dem Thema auseinander setzt. Und ich staune nicht schlecht, als ich lese:
- „Da der Schmerz ein unvermeidlicher Bestandteil der Asana-Praxis ist, müssen wir nun auf ihn zu sprechen kommen.“
- „Nur wenn Schmerz da ist, werden Sie das Licht sehen“,
- „Der Schmerz ist als Lehrer da, weil das Leben voller Schmerzen ist.“
- „Der Schmerz ist Ihr Guru“
Das sind Zitate aus seinem Buch und beim ersten Lesen, stehen sie im Widerspruch zu meinen Ansagen im Yogakurs. Das ist für mich eine ganz neue Sichtweise und interessant sich mit dem Thema auseinander zusetzen.
Asana – heißt übersetzt „Haltung“. Hierbei geht es um eine äußere Haltung. Ist die Position korrekt ausgeführt? Neben der äußeren Haltung geht es aber auch um eine inner Haltung. Welche Gedanken steigen auf oder wie fühle ich mich jetzt in dem Augenblick. Kann ich entspannen und loslassen? Yoga ist ein Reinigungsweg, eine aktive Praxis, um uns selbst besser wieder kennen zulernen und uns neu zu entdecken.
Iyengar schreibt, dass es nicht das Ziel ist, in den Schmerz in der Praxis aktiv zu suchen. Ist er aber einmal da, so rennen wir vor ihm nicht weg. Er ist Bestandteil des Lebens und damit auch die Basis für die Veränderung. Mit Hilfe der Yoga-Praxis lernen wir, eine höhere Toleranzgrenze zu entwickeln und damit können wir den Stress und Druck im Alltag besser aushalten. Durch unser Üben werden wir feinfühliger, und wir beginnen zu verstehen, das wir sowohl Lust wie auch Schmerzen wahrnehmen können und auch verstehen. Und irgendwann ist es uns vielleicht möglich, durch den Schmerz hindurch zu gehen und verborgene Schmerzen aufzulösen. Wenn es uns gelingt, Spannungen und Blockaden abzubauen, können wir Freiheit erfahren. Das ist das Ziel. Und der Weg dahin, ist das erlernen einer korrekten Asana – Körperhaltung. Und das korrekte Ausführen einer Position führt anfangs zu Schmerzen, da es für uns ungewohnte Positionen sind und der Körper (auch der Geist) ständig ausweichen möchte.
Das Fazit von Iyengar ist:
„Yoga fordert uns zum Überschreiten unserer Grenzen heraus – innerhalb der Grenzen der Vernunft. … Der Schmerz kommt, um uns zu führen und anzuleiten. Wenn wir wissen, was Schmerz ist, werden wir mitfühlend sein.“
Yoga hilft, Schmerzen zu lindern!
Die US-Forscher wollten wissen, ob Yoga mit seiner Kombination aus Haltungs- und Atemübungen bei chronischen Rückenschmerzen besser hilft als konventionelle Übungen oder Selbsthilfebücher. 101 Patienten nahmen an der Studie teil. Sie wurden in drei Gruppen unterteilt. Dabei stellte sich heraus, dass nach zwölf Wochen Training die Mitglieder der Yoga-Gruppe deutlich weniger Schmerzen hatten als die Mitglieder der anderen Gruppen. Eine Befragung nach 26 Wochen kam zu dem selben Ergebnis.
Quellen: Ärzte Zeitung vom 16.02.2006 und Annals of Internal Medicine 143: S. 849 ff, 2005
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Autor: Silvio · Kommentieren · Trackback



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