Stirbt Yoga gerade? Meine ehrlichen Gedanken nach 25 Jahren

Stirbt Yoga gerade? Diese Frage beschäftigt mich seit einiger Zeit. Sie lässt mich nicht mehr los. Deshalb habe ich mich vor die Kamera gesetzt und meine Gedanken geteilt. Ganz persönlich, ohne Skript. Ich musste mich tatsächlich ein bisschen trauen, einfach so darüber zu sprechen.

Heute geht es um die Entwicklung der Yogaszene, um meine Erfahrungen aus über 25 Jahren und um die Frage, was wir an Yoga eigentlich wertschätzen. Ich möchte dich einladen, mitzudenken und deine eigenen Erfahrungen zu teilen.

Warum mich die Frage „Stirbt Yoga?“ beschäftigt

In den letzten Wochen habe ich auf Social Media mehrere Beiträge gesehen, in denen etablierte Yogalehrerinnen und Yogalehrer ihre Studios aufgeben oder Nachfolger suchen. Menschen, die schon lange unterrichten und viel aufgebaut haben.

Gleichzeitig sehe ich bekannte Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Yogaretreats intensiv bewerben, um Teilnehmer zu gewinnen. Dabei erwische ich mich bei dem Gedanken: Warum müssen selbst so bekannte Menschen so viel Werbung für ihre Yogareisen machen?

Andere eröffnen neben ihrem Yogastudio zusätzliche Angebote für Pilates oder Reformertraining. Sie greifen einen Trend auf und erweitern ihr Angebot. Auch das fällt mir auf. Während neue Studios entstehen, verschwinden andere wieder.

Das sind meine persönlichen Beobachtungen. Ich lege hier keine Marktanalyse vor und behaupte auch nicht, dass es überall gleich aussieht. Aber diese Eindrücke haben etwas in mir ausgelöst. Ich frage mich, wie wir an diesen Punkt gekommen sind und was diese Veränderungen für Yoga bedeuten.

Wenn ich auf meine eigene Zeit als Yogalehrer zurückblicke, erkenne ich verschiedene Höhen und Tiefen. Diesen Weg möchte ich mit dir noch einmal nachzeichnen.

Vom kleinen Kreis zum großen Yoga-Boom

Als ich vor etwa 25 Jahren mit meiner ersten Yogalehrerausbildung begann, war Yoga in meinem Umfeld noch wenig bekannt. Viele konnten damit kaum etwas anfangen. Das Bild war oft verstaubt: ein paar Dehnübungen, vielleicht ein Kopfstand, etwas Entspannung. Für manche klang das eher langweilig.

Auch die Ausbildungsmöglichkeiten nahm ich damals als deutlich überschaubarer wahr. Der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland war für mich ein wichtiges Qualitätssymbol. Ich verband damit eine umfangreiche Ausbildung mit Theorie und Praxis, ungefähr 1.000 Unterrichtsstunden und mehrere Jahre berufsbegleitendes Lernen.

Daneben spielte die Sivananda-Tradition für mich eine große Rolle. Dort lag auch mein eigener Einstieg. Im Video erinnere ich mich spontan an diese Ausbildungslandschaft. Das ist mein persönlicher Rückblick und keine vollständige historische Übersicht aller damals bereits bestehenden Anbieter. Insgesamt habe ich vier verschiedene Ausbildungen gemacht.

Wenige Jahre später erreichte uns eine große Welle aus den USA. Für mich war das eine unglaublich schöne, spannende Zeit. Wir, die damals schon unterrichteten, fühlten uns ein bisschen wie Pioniere.

Jivamukti Yoga aus New York begeisterte mich. Ich war ein Fan von Sharon Gannon und David Life. Auch Power Yoga, Anusara Yoga und Vinyasa Yoga wurden hier immer präsenter. Vieles kam zeitversetzt nach Deutschland und brachte neue Impulse mit.

Plötzlich eröffneten immer mehr Yogastudios. Gefühlt gab es an jeder Ecke eines. Ich fand diese Entwicklung großartig. Mehr Menschen konnten Yoga kennenlernen, ausprobieren und einen Zugang für sich finden.

Mit den vielen Studios wuchs auch das Angebot an Yogalehrerausbildungen. Für manche Betreiber wurde dabei eine wirtschaftliche Frage wichtig: Reichen die Einnahmen aus normalen Kursen aus, um das Studio zu tragen?

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Ausbildungen wurden zu einer wichtigen Einnahmequelle. Aus meiner Sicht entstanden zeitweise Angebote wie am Fließband. Die Preise lagen weit auseinander. Es gab sehr günstige Ausbildungen und deutlich teurere. Unterschiedliche Menschen fanden unterschiedliche Wege.

So kamen viele neue Yogalehrerinnen und Yogalehrer dazu. Manche erfüllten sich anschließend den Wunsch nach einem eigenen Studio. Warum auch nicht? Ich konnte diesen Wunsch gut verstehen. Die Begeisterung für Yoga war groß und viele wollten sie weitergeben.

Corona, verlorene Regelmäßigkeit und schwierige Rahmenbedingungen

Dann kam Corona. Viele von uns erinnern sich noch gut an diese Zeit. Vielleicht haben wir manches inzwischen auch verdrängt. Für Yogalehrer und Studiobetreiber bedeutete sie zum Teil pure Existenzangst.

Vorher lagen die Matten in gut besuchten Stunden dicht nebeneinander. Im Video spreche ich von zehn Zentimetern Abstand, um dieses Bild deutlich zu machen. Dann kamen Schließungen und Abstandsregeln. Unter diesen Bedingungen ließ sich der gewohnte Studiobetrieb vielerorts wirtschaftlich kaum aufrechterhalten.

Für manche Studios war das der entscheidende Einschnitt. Besonders schwierig wurde es dort, wo keine ausreichend große Gemeinschaft treuer Mitglieder blieb. Schülerinnen und Schüler konnten nicht mehr wie gewohnt auf ihre Matte im Studio kommen. Einige Studios mussten schließen.

Nach dieser Zeit entstanden wieder neue Angebote. Aber mein Eindruck war: Die Bedeutung eines festen Yogastudiobesuchs hatte sich verändert.

Über die längeren Unterbrechungen ging bei vielen die Regelmäßigkeit verloren. Der vertraute Weg ins Studio war nicht mehr selbstverständlich. Die Studios waren wieder da, doch die Kurse füllten sich nicht überall wie früher.

Yoga wurde aus meiner Sicht für manche unverbindlicher. Heute passt das Wetter nicht. Ein anderes Mal ist es so schön, dass eine Fahrradtour oder der See verlockender sind. Die Yogastunde lässt sich verschieben.

Ich verstehe diese Entscheidungen. Gleichzeitig ist es schwer, ein Studio zu betreiben, wenn die Teilnahme nur noch spontan stattfindet. Räume, Organisation und Unterricht brauchen Verlässlichkeit.

Dazu kamen für mich bürokratische und organisatorische Anforderungen in Deutschland, die ich als zunehmend belastend erlebt habe. Im Video formuliere ich meine Unzufriedenheit damit sehr deutlich. Auch das gehört zu meiner persönlichen Sicht auf diese Entwicklung.

Bei mir führte dieser Weg schließlich dazu, dass ich meinen Unterricht vollständig online weiterentwickelte. Die Grundlage dafür war bereits während der Coronazeit entstanden.

Wie aus einer Zoom-Stunde unser Online-Yogastudio wurde

YouTube begleitet mich schon seit ungefähr 15 Jahren, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Live-Unterricht über Zoom war trotzdem zunächst etwas anderes.

Gegen Ende der Coronazeit dachte ich: Wenn alle Zoom machen, probiere ich das eben auch einmal aus. Ich ging ohne große Erwartungen hinein. Und dann war ich selbst überrascht.

Ich konnte die Menschen sehen. Wir konnten uns austauschen. Es entstand eine Verbindung. Für mich hatte dieser Unterricht eine Qualität, die ich aus dem Yogastudio kannte. Also habe ich mich darauf eingelassen.

Aus einer Yogastunde pro Woche wurden nach und nach acht Stunden. Heute arbeiten wir als kleines Team eigenständig zusammen und bieten unterschiedliche Stundenkonzepte an: Yoga für Anfänger, Yoga am Morgen, Meditation, Yin Yoga und weitere Schwerpunkte. Es gibt Einheiten mit 30, 45 oder 60 Minuten.

So entstand unser Online-Yogastudio. Natürlich sind wir damit nicht allein. Es gibt verschiedene Anbieter, und Menschen können inzwischen entspannt von zu Hause aus üben. Da stellt sich für manche ganz praktisch die Frage: Warum noch ins Studio fahren, wenn ich daheim teilnehmen kann?

Vor Kurzem war ich selbst in einem Yogastudio in Frankfurt am Main. Einem sehr besonderen, luxuriösen Studio. Diese Erfahrung war spannend und in mancher Hinsicht speziell. Wenn dich interessiert, wie es mir dort ergangen ist, schreib mir das gern als Kommentar. Vielleicht erzähle ich darüber in einem eigenen Video.

Wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen einer begleiteten Yogastunde und einem kurzen YouTube-Video. Du kannst zu Hause mit einer Mitgliedschaft live üben oder dir kostenlose Videos anschauen. Für mich bietet das nicht automatisch dieselbe Erfahrung.

In kurzen Videos fehlt häufig der Raum für einen vollständigen Stundenaufbau: eine Einführung, ein Thema, eine Entwicklung innerhalb der Praxis und eine bewusste Endentspannung. Das gilt selbstverständlich nicht für jedes Yogaangebot auf YouTube. Ich spreche darüber, was ich selbst bei kurzen Formaten und auf meinem Kanal erlebe.

Viele nehmen sich online weniger Zeit. Werden längere Stunden wenig nachgefragt, entstehen davon oft auch weniger, weil sie weniger geklickt werden. Diese Dynamik beeinflusst das Angebot.

Bei meinen eigenen längeren Videos habe ich beobachtet, dass Menschen bis kurz vor Shavasana mitmachen und dann vor der Endentspannung aussteigen. Das finde ich schade. Gerade dieser Moment gehört für mich zur Yogastunde dazu.

Meine 8-Minuten-Routinen zum Mitmachen können dir einen einfachen Zugang zu regelmäßiger Bewegung geben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass auch Zeit für eine längere, bewusst aufgebaute Yogapraxis bleibt. Wenn du diese Begleitung kennenlernen möchtest, findest du die Informationen zu unserem Online-Yogastudio.

Was Social Media und KI mit der Wertschätzung für Yoga machen

Ein weiterer Punkt beschäftigt mich besonders. Manchmal tut es mir richtig weh zu sehen, wie Yoga auf Social Media dargestellt wird.

Ich denke dabei vor allem an Instagram und an kurze Videoformate. TikTok nutze ich selbst kaum. Auch für meine eigene Darstellung habe ich noch nicht den richtigen Weg gefunden. Da bin ich ehrlich: Ich befinde mich noch in einer Selbstfindungsphase.

Du kennst vermutlich diese Reels und Shorts: Vier Übungen hierfür. Drei Übungen dagegen. Die schlimmste Übung. Mach das bloß nicht, sonst bekommst du genau dort Schmerzen. Mach lieber etwas anderes.

Oft wird kaum erklärt. Manchmal werden sogar Übungen schlechtgemacht, die aus meiner Sicht durchaus sinnvoll sein können. Der Zusammenhang fehlt, die individuelle Situation ebenso. Diese Entwicklung gefällt mir nicht.

Nun kommen KI-generierte Inhalte hinzu. Mein Eindruck ist, dass dadurch noch mehr Material entsteht und Yoga im Internet immer inflationärer angeboten wird.

Was wir uns früher über lange Zeit erarbeiten durften, scheint plötzlich überall in kleinen Portionen verfügbar zu sein. Wissen, Übungen, Erklärungen: alles sofort abrufbar.

Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass grundsätzlich alles kostenlos zu haben sein müsse. Warum für ein Yogastudio bezahlen? Warum eine Online-Mitgliedschaft abschließen, wenn das Internet scheinbar bereits alles bereitstellt?

Genau an dieser Stelle sehe ich ein großes Thema. Wenn die eigene Erwartung nur noch lautet, dass alles kostenlos sein muss, kann auch das Bewusstsein dafür verloren gehen, wie viel Arbeit und Erfahrung hinter gutem Unterricht stecken.

Ich stelle selbst kostenlose Inhalte zur Verfügung und freue mich, wenn sie dir helfen. Zugleich braucht es Yogalehrerinnen und Yogalehrer, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr Herzblut in eine vollständige Stunde geben.

Diese Menschen schaffen einen Rahmen, in dem du deine eigene Yogaerfahrung machen und neue Impulse für dein Leben mitnehmen kannst. Damit sie das dauerhaft tun können, braucht es Nachfrage und Wertschätzung.

Für ergänzende Erklärungen und praktische Übungshinweise kannst du auch in der Übersicht Wissen & Tutorials weiterlesen. Mir ist wichtig, dass hinter einem Angebot nachvollziehbare Gedanken stehen und du verstehst, was du übst.

Warum ich an die Zukunft von Yoga glaube

Wenn du eine Yogalehrerin oder einen Yogalehrer hast, deren Unterricht du schätzt, dann zeige diese Wertschätzung. Das kann bedeuten, dass du regelmäßig teilnimmst und bereit bist, für diesen Unterricht zu bezahlen.

Wenn ein Studio dir gefällt und dir seine Stunden guttun, braucht es Menschen, die es tatsächlich nutzen und unterstützen. Sonst kann es passieren, dass genau dieser Ort irgendwann nicht mehr da ist.

Dasselbe gilt für Online-Yoga. Vielleicht nutzt du eine Mitgliedschaft nur ein- oder zweimal im Monat. Wenn dir diese Stunden guttun, dürfen auch diese wenigen Termine etwas Wertvolles sein.

Schau, ob du deinen Alltag so organisieren kannst, dass du bewusst dabei bist. Plane deine Yogazeit ein. Lass sie zu deiner persönlichen Auszeit werden. Eine Stunde, auf die du dich freust und für die du dir Raum nimmst.

Dabei geht es mir um den Wert, den du selbst in dieser Zeit erlebst. Du entscheidest, welche Form zu dir passt und was du regelmäßig nutzen möchtest.

Vielleicht hat auch die aktuelle Veränderung eine gute Seite. Aus einem großen Hype kann eine ruhigere Phase entstehen. Eine Phase, in der Menschen bleiben, die Yoga lieben, es wertschätzen und aus echtem Interesse üben.

Auf diese Möglichkeit freue ich mich. Ich wünsche mir Qualität und Menschen, denen die Praxis etwas bedeutet.

Deshalb lautet meine persönliche Antwort auf die Frage „Stirbt Yoga?“: Ich glaube, Yoga wird weiterleben. Die Formen verändern sich. Studios kommen und gehen. Trends werden laut und verschwinden wieder.

Yoga kann zu den Menschen finden, die es wertschätzen, regelmäßig üben und darin einen Wegweiser für ihr Leben entdecken. Darin sehe ich eine schöne Zukunft.

Wie empfindest du diese Entwicklung? Übst du lieber im Studio, live online oder mit YouTube? Was bedeutet Yoga heute für dich? Schreib deine Gedanken und Erfahrungen gern in die Kommentare.

Schön, dass du da bist. Gemeinsam beweglich, kraftvoll und entspannt. 💚

Häufige Fragen zur Zukunft von Yoga

Stirbt Yoga wirklich?

Ich glaube, Yoga wird weiterleben. Meine Beobachtungen zeigen mir einen Wandel bei Studios, Unterrichtsformen und Erwartungen. Daraus leite ich keine allgemeine Marktstatistik ab.

Ersetzen kurze YouTube-Videos eine Yogastunde?

Kurze Videos können einen einfachen Einstieg bieten. In einer vollständigen Yogastunde bleibt mehr Raum für Einführung, einen zusammenhängenden Aufbau, persönliche Begleitung und Endentspannung.

Warum ist bezahlter Yogaunterricht wichtig?

Guter Unterricht braucht Vorbereitung, Erfahrung und Zeit. Regelmäßige Teilnahme und Bezahlung helfen dabei, die Angebote zu erhalten, die du schätzt.

Wie kann ich meiner Yogapraxis wieder mehr Raum geben?

Plane einen festen Termin ein und wähle ein Angebot, das du gern nutzt. Auch ein oder zwei bewusst wahrgenommene Stunden im Monat können für dich eine wertvolle Auszeit sein.

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